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Finfinity #13 Warten auf Alexa – Voice in banking

By 4. Februar 2019 No Comments

Der Vortrag von Rafael Otero beim Finfinety #13 Abend in Köln war sehr interessant und hat mir die Augen und den Kopf für ALEXA geöffnet.

Für mich war das bisher ein Hype – von Leuten, die jeden Tech-gag mitmachen müssen. Negativ daran fand ich vor allem, dass ich einem Gerät Kommandos gebe. Alexa mach dies und das. Es erinnerte mich an einen Sklaven, der willig alles tut, was ich als Herrscherin will – ziemlich feudal, kindliche Allmachtsphantasien und noch eins – sexistisch. Diese Maschine heißt nicht nur ALEXA, sie hat auch noch eine weibliche Stimme. Bei der Apple-Welt ist es Siri und auch die ist weiblich, der Name ist skandinavisch. Wie ich heute im Netz feststelle, hat das auch schon andere bewegt und es gab dazu viel Diskussion auf dem DSD Treffen in München. Vielleicht geht es euch ja auch so … aber das soll uns jetzt nicht blockieren, mal tiefer rein zu schauen, vor allem, was hat das mit Business zu tun und wie big ist business? Bei Banken?

Biographie: Rafael Otero ist Unternehmer, Business-Angel und Mentor im Startup- und FinTech-Umfeld. Rafael schaut zurück auf über 10 Jahre Erfahrung im Payment Bereich in denen er in Führungspositionen oder als Co-Founder aktiv war. Aktuell ist er Co-Founder bei der Voice First einer Strategieberatung rund um Voice Solutions für Finanzdienstleister, Retailer und Mobility Anbieter. Zuvor war er Co-Founder von payleven, Co-Founder von Payment Company, Programm Manager bei 1&1, VP bei ClickandBuy.

Da ich leider noch keine Aufzeichnung der Finfinity #13Veranstaltung im Netz finden kann – habe ich alternativ das Interview von Rafael Otero gefunden – Paymentandbanking FinTech Podcast. Hier redet er auf deutsch. Er redet viel und schnell – aber er hat nur 20 Minuten Zahlen-Daten-Fakten ….  Wir hatten natürlich die wunderbaren Slides – von denen ich ein paar fotografiert habe. Zum Podcast

Wenn wir von Spracherkennung und Umwandlung von Sprache in Text sprechen – da habe ich auch schon meine Erfahrung auf meinem I-Phone: Ich tippe nicht mehr – ich spreche den Text – herrlich gut und schnell. Also hier war ich gleich hellwach. Verstehe: spart Zeit.

Apple hat Siri, Windows hat Cortana, Amazon Alexa und Google den Google Assistant.

Wer ist Alexa?Alexa ist ein Voice Service von Amazon und findet sich in den hauseigenen Produkten Amazon Echo und der neuesten FireTV Stick Generation zur Sprachsteuerung wieder. … Aber nicht nur in Amazon Geräten ist der Voice Service untergebracht. Er steht auch anderen Hardware Herstellern zur Verfügung!”

Wen spricht Amazon damit an? Welche Dienste will der Nutzer?

„Alexa (die nette weibliche Stimme) beantwortet dir deine Fragen auf Zuruf, liefert dir Informationen zum Wetter, dem Verkehr oder steuert deine Hausautomation. Alexa hilft dir auch mit Wecker oder Timer aus, die du einfach per Sprache einstellen kannst. Höre deine Lieblingslieder oder Hörbücher auf Zuruf von verschiedenen Musik Streaming Diensten (Amazon Music, Spotifiy, tunein, audible, kindle, …). Auch Telefonie und Nachrichten sind bereits mit einem Update eingezogen! Jeder kann den Voice Service in seine Geräte implementieren und so ein wenig mehr SmartHome bieten.

Wer waren die ersten Nutzergruppen?

Wenn man Rafaelo zuhört, waren es die Mütter in der Küche, die damit die Hände frei hatten von Tippen und Suchen und per Kommando der Digitalmagd Anweisungen geben konnten. Von der Küche zog Alexa mit dem Lautsprecher ins Wohnzimmer und diente auch hier allen Familienmitgliedern. Das kam mir gleich bekannt vor, den vor Tagen noch hatte ich das kleine Video auf facebook gesehen mit dem Kind in der Küche, dass so vergeblich versuchte sein Lieblingslied „Baby Shark“ zu hören – aber Alexa verstand das Baby nicht.


Rafael Otero sprach über die Märkte, die Nutzer und die Altersklassen – die Veränderung und den neue Trend. Kurz gesagt: Es waren erst die Nutzer, die sich High-Tech kaufen wollten, eher ältere Generation ja sogar richtig alte Menschen, die sich mit dem Voice Command nicht mehr durch das Menu klicken müssen – nicht mehr suchen müssen …. Und einfach „Bernsteins Synphony 1995“ auflegen an Alexa sagen.

Der Trend geht jetzt mehr zu den Millenials – die Voice und Alexa auf ihren Smart-phones nutzen und damit shoppen. Und das ist auch das Ziel – schließlich steht Amazon hinter Alexa und es geht darum, Menschen zum Produkt zu führen. Junge Menschen gehen noch ins Kino und kaufen Tickets für ein Konzert – wenn sie nicht gerade PRIME nutzen oder bei Netflix sind.

Im englischsprachigen Raum hat Alexa schneller Fuß gefasst – denn sie muss ja die anderen Sprachen erst verstehen – das braucht Zeit. Aber Deutschland ist tech-afin, genauso wie Japan.

Aber wie sieht es bei dem Service Banken aus?

Das war ja der Kern des Vortrags – voice for banking. Wenn ich meinen Kontostand abrufen will mit Alexa – ist hier sicher auch eine Legitimierung notwendig. Man könnte auch von seinem Konto auf ein bekanntes Zielkonto überweisen: „Alexa – überweise Uli mal eben 100 EUR“ – die Daten sind bekannt – also keine Verwechslungsgefahr. Das wird kommen, so Rafael. Allerdings hat Amazon den Dienst in Europa bisher nicht freigegeben. Auch wenn die Finanzdienstleister wie die Sparkasse und die Volksbanken bereits normale Bankeninformationen über Alexa verbreiten (Öffnungszeiten etc.) wird die Abfrage des Kontostandes noch etwas auf sich warten lassen. Artikel

“Zum einen ist das Marktpotenzial enorm: In Deutschland haben bereits zehn Prozent digitale Assistenten wie Google Home oder Alexa im Wohnzimmer stehen. Ganze 37 Prozent nutzen Sprachassistenten wie Siri oder Cortana auf ihrem Smartphone oder PC und bereits die Hälfte aller Suchanfragen auf Google findet heute über Sprachsteuerung statt. Die Nutzungsintensität wird vermutlich in den nächsten Jahren stark zunehmen.” Innovationsblog DZbank.de im ‚Februar 2018

Was ist bisher in Deutschland geschehen?

Den Anfang damit machte die Comdirect, die im Mai 2017 für Amazons virtuelle Assistentin Alexa einen sogenannten Skill – eine spezielle Anwendung – auf den Markt brachte. Zwar halten sich viele Banken und Broker noch zurück. Inzwischen gibt es aber bereits 204 Skills für Wirtschaft und Finanzen – etwa von der Consorsbank, der Commerzbank, dem Broker Captrader, den Sparkassen sowie den Volks- und Raiffeisenbanken. Nur selbst entwickeln will es niemand – alle warten auf Alexa. Aber will Amazon selbst zur Bank werden? Warum stoppt man die Zusammenarbeit? Diese Fragen bewegten im letzten Jahr die Medien – es gab Spekulationen. Im Moment: Hängen im Schacht. Manager Magazin 20.11.2017

Mit Amazon ging es nicht weiter – aber mit Google. Der Service Google Assistant, der auch auf dem Android- oder Apple-Smartphone läuft, kann mehr. Die Sparkassen ermöglichen seit Februar 2018 die Abfrage von Kontoständen, Kreditkartenumsätzen, Eingaben und Ausgaben über den Google Assistant. Inzwischen läuft das Angebot bei rund 30 Sparkassen. Über die Frage „Wie viel Geld habe ich?“ kann man sich die Summe der Guthaben aller hinterlegten Konten ansagen lassen. Aber bis dieser Satz dann kommt, muss man sich legitimieren und durch ein Menü arbeiten – bequem ist das noch nicht. So die Börse-online

“The world is moving to mobile” so Michelle Moore

Viel spannender aber ist, was in USA bereits passiert – die Bank of America – mit 56 Millionen Kunden hat ERICA geschaffen und 2016 ausgerollt. Ein Voice driven system. Rafael zeigte die Funktion: Ich spreche in mein Mobile und die App der Bank – und dann zeigt mir die Bank visuelle Antworten – wie meinen Kontostand, mein Zahlungslimit etc.

„Head of Digital Banking“ ist Michelle Moore – eine Marketing-Frau, die von den  Kundenwünschen her denkt. Sie arbeitet im Team mit den KI- und Software-Entwicklern und schafft ein neues Banksystem in den USA, die oft noch mit Papierschecks in die Filialen gehen …. sehr spannend. Das Interview von Michelle Moore bei CNBC gibt mehr Einsichten.  “The secret is understanding what our customers want,” Moore said. “We listen to them and we give them what they want, not what we want.” Im Text steht dann: With 16 million U.S. households now using some type of voice-activated device, Moore’s department has turned its focus to voice, developing its own artificial-intelligence-enabled assistant called Erica.

Und was passiert in der Welt?

Der Beitrag in Fintechnews Singapur vom Oktober 2018 gibt eine lange Liste von Banken bekannt und welche Voice Lösung sie anbieten wollen und wann. So richtig gut scheint es noch nicht zu laufen – es gibt noch hohe Fehlerquoten bei der Spacherkennung. Aber eins ist klar – wer die Daten hat, kann damit arbeiten. Die Banken sind alle wach und dabei – diese Chance will sich keiner entgehen lassen. Das hängt sicher auch damit zusammen, dass die Banken weltweit eh Probleme mit den alten IT Systemen haben und oft jahrelang hinter dem Trend hergelaufen sind. Das soll und darf jetzt nicht passieren.

Vielleicht – das ist meine Spekulation – hat Amzon erkannt, welche Bedeutung der Service für die Bankenwelt hat – und hier geht es dann gleich um CASH. Wie bekommt Amazon Zugang zu den Kunden, damit sie mehr einkaufen? Aber eigentlich versucht Amazon, die Kunden im eigenen Ecosystem zu halten. Das würde bedeuten, dass die Kunden im System bleiben und nicht bei einer Bank das Geld liegen haben – und mit Alexa ins System schieben. Wieso nicht gleich ein Konto bei Amazon und im System bleiben? Dafür müsste Amazon aber eine Banklizenz haben und sich der Regulierung unterwerfen. Das muss gut überlegt sein … und vielleicht ist man noch immer damit beschäftigt. Ein großes Thema – Regtech – vor allem in Europa.

Während die einen auf Alexa warten, versuchen es die anderen mit anderen Voice Systemen … vielleicht macht es auch Sinn für Banken, sich nicht den ganz großen anzuschließen, sondern Voice Systeme über Smartphone zu nutzen. Wir werden sicher eine Bewegung in diesem Feld haben schon in diesem Jahr.