CashEconomicsNachhaltigkeit

Auch Aktivisten haben ein CASH-Thema

Wenn mich Menschen fragen, was ich so tue,  dann ist es nicht immer so einfach es zu erklären: „Ich unterstütze Firmen und Konzerne dabei, ihr Cash im Unternehmen zu managen, dafür machen wir Cash-Awareness-Workshops.“ Klingt immer gleich ziemlich kapitalistisch, ist es aber eigentlich nicht. Am Beispiel einer ganz „unkommerziellen“ ja sogar anti-kapitalistischen Organisation will ich das mal erklären.

Vor ein paar Tagen kam ein e-mail-newsletter von dem Netzwerk Campact bei mir an. Das ist ein NGO , die sich mit progressiver Politik befassen und wie Avaaz eine der großen Organisationen ist. Ein NGO ist ein Verein und somit eine Nichtregierungsorganisation oder im englischen Non-Governmental-Organisation. Sie machen online-Politik durch Aktionen, Mailings, Petitionen und vor allem Spendenaufrufe. Im Finanzbericht der Organisation bezeichnet man die Einnahmen als partizipative Schwarmfinanzierung, es gibt keine Mitgliedsbeiträge.

Ein Erklär-Video hilft zu verstehen, wie „deine“ Stimme zählt und wie Wirkung durch viele entsteht.

Was hat Campact mit Cash zu tun?

Der Vorstand Dr. Felix Kolb schrieb: Eine Zahl macht mir sehr zu schaffen: Nur 3,16 Prozent aller Unterstützer/innen fördern Campact mit einem regelmäßigen Betrag. Das ist sehr, sehr wenig.Dabei haben wir so viele wirkungsvolle und dringende Aktionen gemacht. 3,16 Prozent: Wir sind dankbar über jeden Euro – aber das ist leider unter dem, was wir als Bürgerbewegung brauchen, um stark zu sein. Wenn wir in den nächsten Monaten die GroKo mit fortschrittlichen Forderungen und starkem Protest konfrontieren wollen, müssen wir hier deutlich zulegen – auf mindestens 3,3 Prozent.“

 Wenn ich das jetzt in die business-Sprache übersetze hätte er gesagt:
„Ihr lieben Spender, wir danken für die Spenden, aber mit den Einzelüberweisungen kann ich nicht planen. Wir haben keinen regelmäßigen Cash-Flow und brauchen dringend kontinuierlichen, monatlichen Geldzufluss – sonst stehen wir immer mit einem Bein in der Insolvenz. Wir können und dürfen als Verein nicht mehr ausgeben, als wir haben. Wenn wir also flexibel agieren und schnelle Aktionen durchführen wollen, dann muss ich wissen, ob wir die Aktionen auch bezahlen können. Schließlich haben wir auch Menschen angestellt und die wollen ein regelmäßiges Gehalt. Sicherheit bekommen wir nur durch verlässlichen regelmäßigen Cash-flow. Das bedeutet: bitte richtet einen Dauerauftrag ein, auch wenn es nur 1 EURO ist.
 Aus dem Transparentbericht 2016  https://blog.campact.de/wp-content/uploads/2018/02/Campact_Transparenzbericht_2016.pdf

Auf der Web-Seite gibt es einen Bereich Finanzen und auch hier sieht man: Das ist viel Kleinkram an Geldfluss – es tröpfelt nur so – es sind Einzelspenden von 1 Euro bis 50 Euro. Es ist ein emotionaler Prozess und man will schnell helfen. Vielleicht klickt man einfach 2 EUR an und zahlt per paypal – das geht am schnellsten – und das Thema ist erledigt. Allerdings 54 % der Förder*innen unterstützen regelmäßig, aber eben nicht mit einem Dauerauftrag.

Wie viel Geld hat denn Campact?

Das hat mich auch interessiert. „Campact ist eine Bürgerbewegung, mit der 1,9 Millionen Menschen für progressive Politik streiten. Insgesamt standen 8,9 Millionen Euro für die Umsetzung der Kampagnen im Jahr 2016 zur Verfügung.“  Das macht die Sache schon etwas klarer … und wenn von diesem Geld nur 3,16 Prozent regelmäßig ließt, dann besteht der ganze planbare Cash-flow aus 281.240 EUR. Das sind monatlich ganze 23.437 EUR.

Leider haben Sie nicht dazugeschrieben, wie viele Mitarbeiter fest angestellt sind – und wie viele im Ehrenamt unentgeltlich arbeiten. Aber wer einen Blick auf die Web-Seite und Team wirft, erkennt man: Hier sind einige Menschen beschäftigt. Die Personalkosten werden mit 2,95 Millionen Euro angegeben.

Jetzt wird spätestens das Cash-Problem sichtbar: Auch wenn 54 % der Förderer regelmäßig zahlen und dabei sind – ist das Fundament des Geldflusses doch immer mit Schwankungen durchzogen. Die Ausgaben und Einnahmen des Vereins sind fast ausgeglichen, wie es auch sein soll – ganze 57.000 EUR sind eine kleine Reserve. Da ist Finanzmanagement und Cash-Management eine große Aufgabe, wie in einem Unternehmen.

Wie wirtschaftet ein Verein?
„Campact ist bestrebt, diese Ausgaben so gering wie möglich zu halten, bei gleichzeitiger Berücksichtigung, dass erfolgreiche Organisationen Management und die nötigen Werkzeuge dazu brauchen.

Welche Hebel hat Campact?
Alle Kampagnen werden als Projekte geführt und bewertet – allein die Auswertung des Spendenaufkommens zeigt, wo der Puls schlägt und das Geld fließt. Die TTIP/ CETA / TISA Kampagne hat den Vogel abgeschossen: 2.412 Mill EUR. Alles andere liegt weit darunter und die „Ehe für alle“ brachte nur 6000 EUR ein. Das Management fragt sich also: Wofür stehen wir, was macht uns aus, wofür machen wir eine Kampagne? Auch hier wird das Ziel in Cash gemessen.

Mehr: https://blog.campact.de/wp-content/uploads/2018/02/Campact_Transparenzbericht_2016.pdf

Wer selbst schon mal als Kassenwart in einem Verein gearbeitet hat und die Bilanz aufgestellt hat, weiß, welche Fragen viele Mitglieder und Förderer haben. Wer sich für Organisationsstrukturen interessiert, lese mal nach, warum Campact den Verein auf 12 Mitglieder reduziert hat und wie diese die Struktur vertreten. Der Verein hat sich hier Greenpeace als Vorbild genommen. Ich habe meine Erfahrungen bei EWMD e.V. gemacht sowie der GOE. e.V.  und heute bin ich im Beirat der Sagsaga e.V.

Was ist die Herausforderung für Cash?
Beim Verein Compact ist der Cash-Flow nicht an Verträge gebunden sondern abhängig von freiwilligen Spenden, die durch Kampagnen unterstützt werden. Je mehr Aufmerksamkeit erreicht wird, desto höher die Chance auf Spenden. Je mehr ehrenamtlich aus Begeisterung mitarbeiten, desto geringer die Kosten

Der Verein lebt davon, dass die Gelder zeitnah aktiv eingesetzt werden. Es müssen neue Förderer motiviert werden, sich zu engagieren – um als politische Kraft eine Bürgerbewegung zu werden, die ein Profil und eine Identität hat, abseits der politischen Parteien.

Und zurück zu meinem Cash-Awareness-Workshop: Im Unternehmen ist es ähnlich, auch hier geht es darum, Gelder nicht unnötig auszugeben, es geht nicht gleich um Sparen – aber um nachhaltiges Wirtschaften. Dazu später mehr.