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Cash steckt nicht nur im Inventar – auch in der Zeit

By 27. Februar 2019 No Comments

Wo sitzt das Cash fest?
Wir denken oft nur an die Cash-Festsetzer, wenn Kapital in Material gebunden ist. Das ist der Fall bei allen Anschaffungen, die in der Bilanz stehen: Vom Haus angefangen, Computer, Rohmaterial, Maschinen, Produkte auf Lager. Weniger ist mehr – und gute Planung ist alles. Aber Cash ist oft einfach Zeit: Durchlaufzeit, Meetingzeit, Standzeit, Stillstandzeit, Wartungszeit, etc. Zeit wird im Operativen in Working Capital und Tagen gemessen.

Working Capital

Leichter tut man sich, wenn man das große Ganze versteht und dann in die Tiefe der Details geht – deshalb arbeite ich auch mit  der Business Simulation Celemi Apples & Oranges. Mit diesem Modell lässt sich schnell erkennen, wo und wie Cash fließt und wo man es freisetzen kann. Der Transfer in die realen Themen und Fälle ist dann einfacher, weil man eine Sprache dafür hat, die alle sprechen.

Kaizen und Lean für Projekte, Teams und Verwaltung
Cash braucht man bei einem Projekt, zum Beispiel einem Bauvorhaben. Dies wird von Spezialisten geführt, umgesetzt und dann abgerechnet. Geld kann erst fließen, wenn die Rechnung gestellt ist und vom Kunden abgenommen wurde (ohne Widerspruch). Die Abrechnung erfolgt in Projekten nach Meilensteinen. Bares gegen Leistung. Eng wird es, wenn ein Projekt nicht abgerechnet werden kann. Das passiert, wenn die Leistung fehlerhaft ist und nachgebessert werden muss. Und oft ist die Sache nicht ganz klar geregelt, der Vertrag nicht eindeutig, der Sachverständige des einen sagt etwas anderes als der Sachverständige des anderen – kurzum: Ein Streit, der nicht nur Mängelrügen und ggf. Pönalen verursacht, sondern gleich den ganzen Zahlungsprozess stört. Es braucht Zeit. Und in der Zeit fließt kein Geld. Wenn das bei vielen Projekten so ist, fehlt das bereits geplante Geld in der Kasse und die Firma muss mit teuren Krediten den Geldfluss versorgen. Das reduziert den Gewinn – und bei schlechter Marge – bleibt manchmal nichts mehr übrig. Manche Firmen sind in diesem Stau insolvent geworden, denn die Gehälter müssen ja weiter gezahlt werden.

Also – ist der Cash-Awareness-Prozess oft die Suche nach Fehlerquellen, Verhaltensweisen, falschen Annahmen, veralteten Prozessen, einseitiger Sichtweise, ungenutzten Reserven … es ist ein gemeinsamer Weg, auf allen Ebenen besser (effektiv) zu werden und in Cash zu denken. Dazu müssen alle mitdenken und ihr eingeschlafenes Unternehmer-Gen aktivieren. Das ist nicht immer so einfach – denn da werden viele Dinge neu angeschaut und diskutiert.

Je größer die Firma ist, desto größer der Widerstand, Veränderungen zuzulassen, selbst wenn es für das Ganze sinnvoll ist. Abweichungen vom Standard sind nicht erwünscht (selbst wenn die Finanzabteilung das so sieht 🙂 – wenn doch, dann ist ein Change-Prozess notwendig, der alle Stakeholder einbezieht.(Das ist auch nötig, um nicht alle zu irritieren. Das Alte muss aufgehoben werden, das Neue legitimiert werden.) Oft ein mühsamer Abstimmungsprozess. Deshalb muss ein Chef dann auch in der Lage und Willens sein, dies zu tun. Nur informieren reicht nicht, s geht nicht um Wissen, sondern um Verhaltensänderung. Ohne Vertrauen, Transparenz und Sinn wird aus der Initiative Cash nichts … so ändert sich auch etwas an der Führungskultur, auch wenn das nicht der Fokus war … am Anfang.

Zeit sparen um jeden Preis ist nicht der Weg
In den vergangenen Jahren haben viele Firmen versucht, die Prozesse stabil zu halten aber schneller zu werden. Was ist da passiert? Alles, was man nicht richtig messen kann, wurde gekürzt: Kommunikation im Team, Lesssons Learned am Projekt, Austausch der Experten, Meetings mit Informationen für das Team, Abschlussfeier für fertige Projekt etc. Man kann das auch „effizient“ schriftlich machen, per Mail. Aber dadurch entsteht keine Kommunikation – ohne Kommunikation kann nicht diskutiert werden, kann sich niemand eine neue Meinung bilden, kann nicht gelernt werden. Leadership per e-mail ist wie „command and control“ bei Militär. Es ist Ansage – kein Austausch. Je mehr Menschen aber an einem Projekt beteiligt sind, je mehr Interessen dort vertreten werden, je komplexer wird das Projekt. Kommunikation ist Austausch zur richtigen Zeit um Fehler zu vermeiden, falsche Annahmen zu korrigieren und das Team in Arbeitslaune zu halten. Es wird ja nicht ein Plan abgearbeitet – sondern es sind an vielen Stellen Entscheidungen notwendig. Oft ist es ein agiles Vorgehen, ständig ist Absprache mit dem Kunden und dessen Nutzern nötig, und natürlich auch intern mit den eigenen Experten. Alle an einen Tisch bringen und von allen Seiten beleuchten – das ist nötig.  Man arbeitet nicht linear nacheinander, sondern parallel – miteinander und vernetzt. Lebenslanges Lernen findet nicht in Seminaren statt, sondern täglich.

Deshalb – wenn man Cash will – dann muss man auch Denken zulassen, Zeit für Kommunikation einplanen. Für Finanzleute ist das dann wieder schwierig zu messen – da ringen Projektleiter und Kaufleute miteinander – aber nur da entsteht dann auch neue Einsicht und der Wille, unternehmerisch zu sein. Es lohnt sich, denn cash-orientiertes Verhalten wird ein Unternehmen flexibler, weniger abhängig von Krediten und kann mehr aus dem Free-Cash-Flow bezahlen, so auch neue Forschung und neue Software. Alle profitieren davon – es ist nicht nur etwas für die Inhaber.