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Community Building – Stadtgespräch in Köln

By 31. Januar 2018 No Comments

Gestern war das dritte Stadtgespräch unserer Oberbürgermeisterin Henriette Reger in Köln. Ich hatte davon erfahren, weil ich mit Frau Reger auf Facebook verlinkt bin und über ihre Aktivitäten somit informiert werde. Die Webseite ist hoffnungslos veraltet 🙂

Ich bin hingefahren und habe aktiv daran teilgenommen. Ich habe schon über viele solcher Events gelesen, aber es noch nie so direkt erlebt. Und das Konzept der Bürgerbeteiligung hat sehr gut funktioniert – es war eine entspannte, leichte Atmosphäre. Deshalb möchte ich auch hier darüber berichten, als „good news“. Und ich habe live getwittert 🙂 #stadtgespraech

Wichtig dabei war:

Der Ort: das Gymnasium war kein schicker Verwaltungsbau sondern einfach eine Aula in einer Schule aus den 70ern.

Das Ankommen: Die Schüler haben die Garderobe in Empfang genommen und einen auf das bereitgestellte Getränk aufmerksam gemacht, gratis, ebenso das Knabbergebäck und Salzstangen.

Der Raum: War offen und an den Rändern standen die Aktionstafeln, auf der Bühne spielte eine BigBand und eine Schülerin sang. Es war eher Partystimmung (passt ja zu Köln).

Die Info: Eine Mitarbeiterin von Frau Reger machte die Moderation, empfing die Oberbürgermeisterin und zeigte, was auf der Agenda des Abends stand: Übersicht – Info – Mitmachen – Fragen – Bigband.

Die Bürgermeisterin: Zeigte mit viel Sympathie und Humor ihre Verbundenheit zu Köln (Ich war auf der Liebfrauenschule!) und stellte den Masterplan für 2030 vor – also die nächsten 12 Jahre.

Die Hausherrin: Bürgermeisterin von Lindenthal hielt eine Ansprache

Die Spezialisten: Dr. Brigitte Scholz ist Leiterin des Amtes für Stadtentwicklung. Sie stellte die Prognose der Entwicklung für Köln vor – mit einem Wachstum  von 140.000 weiteren Einwohnern bis 2040 und den draus abgeleiteten Strategien, mehr Wohnraum zu gestalten. Das Potential an Flächen und Baulücken wird nach und nach erschlossen.
Das Verkehrskonzept der Stadt hat die Strategie, den Verkehr in gleichen Teilen zu fördern: ÖPNV, Auto, Rad – je ein Drittel.

Der Masterplan: Das Ziel der wichtigsten Projekte besteht darin, miteinander vernetzt zu sein und parallel ausgerollt zu werden.Kommunikation nach innen und aussen sind wichtig.

Die Interaktion: Zur Einbindung der Bürger hatte sich die Stadt Köln einen Parcours überlegt, der die fast 200 Bürgerinnen und Bürger in der Halle zum Mitmachen aufrief. Alle standen auf und machten mit.

Die Visualisierung: Großartig waren die übergroßen Stadtpläne, einmal auf dem Tisch für den Stadtbezirk Lindenthal und Umgebung – und einmal auf dem Fussboden, Grossraum Köln bis zum Bergischen Land. Dort wurde gepunktet: Wo ist mein Lieblingsplatz? Ein Herr fragte mich, was er machen soll. Ich erklärte es ihm und es kam wie aus der Pistole geschossen: Der schönste Platz? Bei mir zu Hause in Lövenich!

Es gab ferner drei rote Bälle für jeden Gast. Diese Bälle konnte man dann in drei der sieben Gefäße legen, die jeweils für ein Engagement standen: Mobilität, Wohnen, Arbeit, Sicherheit, Zusammen, Altwerden, Bildung.

Einige Wände waren für Ideen breitet, die man auf Zettel schreiben oder malen konnte. Eine Wand für den Stadtteil Lindenthal – eine andere Wand für Ideen zur Stadt Köln als Ganzes.

Ein großer Tisch mit viel Zeitungen, Scheren, Klebstiften und Scheren: Um Kollagen zu machen – sag es mit Bildern.

Eine Wand mit Post-Its – was sind meine Lieblingsorte hier.

Zum Schluss spielte die Bigband noch mal auf – es klang schon fast wie Karneval – aber dann wurde es dann in der Podiumsdiskussion noch mal ernst. Die Fragen der älteren Herren:

A:
Warum bekommt ein Kursleiter an der VHS nur 20 EUR die Stunde? Lang und breit erklärte er die Prozentzahlen der ausstehenden Gehaltserhöhung.
B: In Lindenthal kaufen große Gesellschaften ganze Strassen auf und optimieren die Wohnungen, die dann zu einem „aktuellen“ Mietsatz angeboten werden, die für normale Bürger kaum zu zahlen sind. Achtung, war der Appell, kein Ausverkauf an Spekulanten.
C: Outete sich als Langzeitarbeitsloser der jetzt endlich wieder als Fahrer von Gefahrgut einsteigen kann – aber er hat Problem mit den Mieten. Auch er sieht: Filetstücke gehen an Investoren.
D: Eine Bürgerin berichtete über den Unmut der Menschen, die in der Stadtverwaltung arbeiten. Viele sind sehr unzufrieden. Frau Reker: Ich weiss, deshalb machen wir die Verwaltungsreform, wir brauchen mehr engagierte Mitarbeiter, die auch in die Digitalisierung einsteigen, nur so reduzieren wir Arbeit und bringen mehr Service. Sie nannte ein Beispiel aus der Bauabteilung: Wenn ein Mitarbeiter die Pläne für einen Kunden hat, dann kann kein zweiter damit arbeiten. Bei Digitalisierung der Pläne können alle parallel arbeiten und sich gegenseitig informieren.

Der Schluss: Versprechen es mit in die Sitzungen zu nehmen – Dank für die Offenheit – Bitte für den Feedbackbogen – und die Einladung, beim nächsten Stadtgespräch in Kalk dabei zu sein.

Frau Reker, der Abend war gut gestaltet, Ihre Mitarbeiter kompetent und die Bürger engagiert. Was will man mehr in 2,5 Stunden erreichen?

Aber eine Frage steht für mich im Raum: Worüber wurde eigentlich geredet? Über den schönsten Platz? Wo wurden Anhaltspunkte gegeben, über die man reden sollte? Wo war die Vision, wie Köln in 2030 anders ist, oder nicht anders ist, was bleibt und was geht? Für die Strategie  1/3 Lösung für den Verkehr fehlte die Vision, wo und wie das umgesetzt werden kann, welche Ideen es schon gibt und wo man sich einbringen kann. Zum Beispiel: Kann der Ring autofrei sein? Könnte man am Wochenende die Stadt anders nutzen? Vielen Menschen fehlt die Vorstellungskraft, wie man eine Stadt anders gestalten kann – aber wenn man viel reist, und viele tolle Stadtkonzepte gesehen hat, dann ist man schon etwas enttäuscht. Von Vision keine Spur! Das wurde auch gleich von anderen Besuchern auf Facebook gepostet …. Keine Emotion die mitreissen könnte, kein Bild das motiviert. Aber eine Vision – eine Zielvorstellung – die braucht man auch, wenn man eine Verwaltungsreform plant und die Digitalisierung kommt. Das sind ja alles Mittel zum Ziel. Wie erlebt der Bürger das? In der Welt der Märkte redet man von Customer Journey … was erlebt der Mensch, wenn er mit der Firma in Kontakt tritt … wie wäre das: Was erlebt der Mensch in Köln, wenn er hier hinzieht? Von der Anmeldung in der Kita, Schule, Freizeitaktivitäten für Kinder auf der „Strasse“, bis hin zu Unternehmen, Start-ups etc. Man könnte das ja an fünf verschiedenen Typen und Lebenssituationen durchspielen. Jeder wünscht sich ja in verschiedenen Lebenssituationen etwas anderes.

Aber vielleicht sehe ich das zu schwarz- vielleicht hatten sie alle gute Gespräche und dort kamen dann gute Ideen und Fragen … aber das war nicht transparent.

Viel Erfolg auch in Kalk – ist ja eher Brennpunkt als so bürgerlich wie in Lindenthal. Ich werde wieder dabei sein – interessiert mich jetzt doch sehr.
„Zum vierten Stadtgespräch dieser Runde am 28. Februar 2018, 18:30 bis 21 Uhr, laden wir Sie herzlich in die AbenteuerHallenKALK in Kalk ein.“

Weil es einfach schöner ist – wenn man kreativ ist: hier die schönsten Bilder von der Tafel … was Bürger aus Lindenthal sich wünschen ….