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Netzwerktreffen Sagsaga, gemeinsam lernen

By 5. Februar 2018 No Comments

Ich komme gerade von einer Fachkonferenz über Planspiele, Simulationen, Spiele Digitalisierung und Lernen … mit Professoren, Studenten, Entwicklern, Usern. Drei Tage am Starnberger See – Akademie der Politischen Bildung mit „meiner“ Organisation Sagsaga e.V.

Das Highlight war die Welt der Spiele, der aktuellen Trends, des Big Business – weil Menschen diese Spiele so lieben. Dazu ein Vortrag von Manuel Fritsch der als Journalist und potcaster unterwegs ist und den Markt beobachtet und spielt. Manu findet ihr hier – das ist ein potcast den ich mal über ihn gemacht habe – der Mitschnitt der Rede.

Nun könnte man meinen, dies sei halt einfach fun und inhaltsleer. Aber jedes Spiel hat eine Story und trägt somit Wissen und Werte. Das ist ja sogar bei StarWars so – wenn der Yoda mit alten chinesischen Sprüchen kommt.

Wieso kam Gamification in die Businesswelt? Weil vieles so dröge ist, wird games und fun hinzugefügt, damit die bittere Pille besser schmeckt.

Das Rezept stammt übrigens von MaryPoppins. Den kurzen Film unbedingt anschauen 🙂 „In every job that must be done, there is an element of fun!“ 
Und damit bin ich auch schon beim Beitrag von Daniel. Ach ja – wir haben auf der Tagung gleich das Kollegiale DU eingeführt – jeder hatte nur noch einen Vornamen und sofort ging es leichter – herrlich !

Nun Daniel Bartschat ist Dozent an der Dualen Hochschule in Stuttgart und dort im Zentrum für Management simulation  tätig – er liebt SPIELE. Ausserdem liebt er gute und spannende Kommunikation, Visualisierung und intelligente Konzepte, wie die Gruppe um „Augenhöhe“ die extrem spannende Filme gemacht hat – mit Crowdfunding. Sein Beitrag war mit der Präsentationssoftware Prezi erstellt – welch ein Genuss.

 

 

 

 

 

 

 

 

Das Programm war enorm, viele Sessions parallel. Nach all dem Input habe ich mich gefragt, warum so vieles so alt klang. Die Konzepte und Strukturen rochen nach dem Unterbau, der in den 80ern entstanden war: Die Welt ist kompliziert, wir brauchen riesige Schaltpläne. Obwohl die Oberflächen html waren, die Farben hell, das Design cool – es war ein altes Konzept und es fühlte sich überholt an. Mir viel der Spruch ein: „Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind. Einstein“ Noch mehr Analyse, noch mehr Daten, noch mehr Verknüpfung sind irgendwann nur von Algorithmen beherrschbar, weil für uns nicht mehr nachvollziehbar, auch wenn unsere Rechner die Leistung bringen. Kann man damit wirklich noch lernen? Suggeriert das nicht, die Welt ist mit noch mehr Daten beherrschbar?

Wenn es da nicht schon mindestens 15 Jahre Dave Snowden geben würde, der mit dem Cynefin-Konzept zeigt:  Ein System ist  linear und kompliziert – andere Systeme sind komplex, weil sie Teile im System haben, die unvorhersehbar sind, wie menschliche Reaktionen, Umwelt, Fehler etc – die das System nicht mehr planbar machen. Deshalb nutzen auch die alten Konzepte nichts, mehr planen, mehr Details nutzen nicht. Und was hilft in komplexen Systemen? Ausprobieren. Versuche (Probe), Wirkung erkennen (sense) und reagieren (Respond), wieder versuchen, wieder schauen … nah – das klingt doch nach SCRUM – oder? Kein wunder, in der IT hat man das schon vor Jahren erkannt, Dave Snowden war ja auch früher bei IBM. Hier ist es noch mal erklärt in 5 Minuten – youtube. Aber emergent heißt auch: Spüre es, lass es sich entwickeln … es geht nicht ums Zahlen, Daten und Fakten. Man hat auch kein Ziel mehr. Das Ergebnis ist nicht vorher denkbar.

Wer vor 20 Jahren ein tolles mathematisches Modell entwickelt hatte, hatte es in den letzen 20 Jahren perfektioniert und optimiert. Die Welt muss beherrschbar sein mit Big Data. Beim Bau von Abwasseranlagen in einer Siedlung und die Berechnung von Systemveränderung kann ein technisches Problem sein und sehr kompliziert. So ein Modell wird an der Bauhaus Universität in Weimar eingesetzt und wurde von Dr. Heinrich Sönke präsentiert. Es war auch kein Spiel, keine Simulation es war ein Schaltplan mit Wasserstellen.

Super spannend fand ich den Beitrag, wie man die UN Ziele umsetzen will mit 169 Unterpunkten in 149 Ländern. Das ist sowohl kompliziert (schon alleine um alle Faktoren zu verstehen) als auch komplex, da es keine klaren Kausalketten gibt. Vielen im Raum war das zu viel … und die Frage ist, wer soll mit so einem komplizierten System arbeiten? Der Entwickler wird sagen: „Das macht ja das System“ … aber was kann man dann lernen? Was ist Cause und Effekt? Was hat direkte Verbindung? Welche Einflüsse sind überhaupt relevant? Mich hat das wirklich fasziniert, wie toll wäre es, wenn ein Rechnersystem alle 17×169 Möglichkeiten durchrechnen könnte und wir dann als Menschen wissen: Fang bei den Ozeanen an, dann bei den Städten und dann bei der Tierhaltung … aber so leicht wird es wohl leider nicht sein. Ich glaube, das ist für wirklich komplexe Systeme nicht geeignet (deshalb schreibe ich auch über Cynefin) Das Modell und die Simulation heißt Heraklit und wurde für die Umsetzung von Nachhaltigkeitszielen von dem Mathematiker Dieter Ballin aus München entwickelt und vorgestellt. Mehr info 

Je jünger die Teilnehmer waren und je weniger sie mit diesen Modellen arbeiten – desto weniger kam das an. Anstatt ein Wow lösen die Vorträge  und Beispiele eher ein „?“ aus.  Die jungen Teilnehmer wollen ausprobieren, offene Systeme, keine programmierten Antworten. Sie sind mit komplexen Systemen viel vertrauter. So Konstantin Kaiser von Planpolitik, ein Spieleentwickler aus Berlin, der fast nur politische Systeme als Thema hat und dort Spiele für Schüler und Schulen baut.

Der Vortrag von Nine Horn von der TU Braunschweig begann mit einer Megastudie über Studien aus den 80ern zum Thema Lernen unter psychologischen Aspekten – mit dem Ziel – daraus eine Checkliste zu erstellen für die „Konzeption von Lernspielen“. Vielleicht wäre es für Psychologen gut, sich nicht nur mit der Sinnesverarbeitung von Daten zu beschäftigen, sondern auch mit Konzeption und Struktur von Spielen.(Jan Klabbers, der Theoretiker unter den Konzeptionern, hätte gerne Pate gestanden). Leider stelle ich immer wieder fest, dass es in vielen Disziplinen neue Ansätze zu Planspielen gibt, aber keine weiss, dass es dazu bereits viel Forschung und Praxis gibt. Leider fangen dann viele ganz bei null an. Aber das ist auch eine Aufgabe der Sagsaga – ein Sammelbecken von Wissen zum Thema Planspiele.

Spannend war auch Track 2: Implementierung und Management von Industrie 4.0 mit act.if. Dieses Planspiel wird in der Industrie eingesetzt und auch mit Prof. Siegfried Zürn an der Hochschule Esslingen um zu zeigen: Bei der  Digitalisierung und Industrie 4.0 geht es nicht nur um SAP ERP und die cloud – hier sind mehr Prozesse betroffen und die Lösung ist nicht immer nur mehr IT. Der Ansatz war spannend, die Karten die es gab auch gut gemacht, alle Themen drin. Daraus konnte man direkt in die Strategieentwicklung gehen, eine Periodisierung der Aufgaben vornehmen und schauen, wie man die Mitarbeiter weiterentwickelt, damit neben der Digitalisierung einige Prozesse auch die Selbststeuerung der Mitarbeiter funktioniert. Das Tool kann bei Gruppen gute Diskussionen auslösen um das komplexe Thema von allen Seiten zu beleuchten.

Leider konnte man nicht alles sehen und hören – interessiert hätte mich ja brennend der Ansatz von Eric Treske, Intrestik,  MW-Mobilitätsspiel“ zur aktuellen Situation der Münchner Schnellbahn … beim nächsten Mal.

Wie bei so vielen Konferenzen sind die Gespräche beim Kaffee und Bier am Abend oft die wichtigsten. Die Experten im Publikum sind manchmal spannender, als die auf der Bühne. Aber das ist halt bei Tagungen so – und auch kein Problem. Eine Struktur ist gut, macht klar, was passieren soll. Ich bin sicher, es war für jede/n etwas dabei. Für mich sehr gelungen – guter Austausch – und die Motivation, bei den nächsten Veranstaltungen wieder dabei zu sein. Wir können nur besser werden, wenn wir offen sind im Dialog und voneinander lernen. Planspiele und Simulationen sind nach wie vor faszinierend und sollten auch in den Universitäten selbstverständlicher angeboten werden.