AllgemeinEconomicsSimulationen und Planspiele

Komplexität im Planspiel abbilden

By 11. Februar 2019 No Comments

Wenn ich mit Simulationen und Planspielen arbeite, nutze wir einen feste Rahmen (das Board) und lassen unsere Akteure frei wählen, wie sie agieren wollen. Gewisse Regeln engen den Handlungsrahmen ein. In den meisten Business-Games ist es das Rahmenwerk des Controllings und Rechnungswesen. Gewinn und Verlustrechnung – Bilanz (nach HGB oder IFRS). Ebenso ist die Zeit vorgegeben, wie lange ein definierter Prozess braucht: Einkauf, Produktion, Rechnungslegung, Forderungen etc. – tja und dann gibt es da den Markt und die Kunden. Wie im echten Leben sind alle Komponenten oder Elemente vertreten, woraus Dynamik entsteht. Und aus Dynamik entsteht Herausforderung. Wenn man die meistert, macht es Spaß.

Wie sieht es nun mit der Komplexität in Planspielen aus?
Diese hat vier Dimensionen:

1. Basiszustand

Es gibt ein Aktionsfeld mit Regeln, die benannt werden. Diese sind für alle gleich. Dann gibt es Bewegungsmuster, die durch den Business-Plan vorgegeben sind. Die Aufgabe besteht darin, das System in Bewegung zu bringen und die „Verschlungenheit“ der einzelnen Merkmale zu beobachten. Vieles ist bekannt – Kosten, Zeit, Preis, Marge. Wie wirkt dieses System? Was wirkt aufeinander ein? Welches Ergebnis habe ich?

2. Wachstum

Welche Kombination von Entscheidungen (Invest, Kosten, Zeit) zahlt sich am Ende aus? Wodurch bin ich schneller am Markt, kann mehr Kunden gewinnen und expandieren? Was hindert mich daran? Diese Variablen sind nicht additiv. Es gibt Wirkzusammenhänge. Ohne neuen Markt keine neuen Kunden – aber zu viel Märkte und keine Produkte macht keinen Sinn. Wo ist die Balance? Was ist ein Fehlinvest?

3. Wettbewerb

Was nicht bekannt ist, ist, wie verhalten sich die anderen Akteure (Mitspieler) und wie beeinflusst dies mein Agieren? Wie wird das Umfeld handeln? Kann ich aus Fehlverhalten der anderen Vorteile ziehen? Wie schnell kann ich reagieren, wenn ich erkenne, was die anderen tun? Denke ich in Szenarien? Habe ich Plan b? Bin ich schnell handlungsfähig und kann die Chance für mich nutzen?

4. Zusammenarbeit als Team

Zuletzt ist die Frage, wie gut funktioniert mein eigenes Team? Wie verstehen wir uns und haben eine gemeinsame Strategie? Kennt jede*r seine Rolle im Spiel und handelt entsprechend? Nicht jede*r muss alles genau wissen, aber schnell genug sein, um den Job richtig zu machen. Alle müssen verstehen, wie das eigene Handeln auf das Ergebnis einzahlt und welche Auswirkungen es hat, wenn z.B. Marketing zu wenig investiert, Finance zu hohe Kredite aufnimmt, weil der Produktioner eine weitere Maschine bauen will für ein Produkt, das noch gar nicht entwickelt ist. Die Dynamik im Team kann sehr unterschiedlich sein. Eigeninitiative und miteinander sind wichtige Treiber im Gelingen. Wie das Wort Komplexität schon sagt: Ineinander verschlungen sein – alles hängt zusammen. Vor allem sollte man miteinander reden. Da alle auf Augenhöhe sind und es keine Hierarchie gibt, ist eine Struktur wichtig … wie bildet sich diese? Gibt es einen Check-point?

Unser Lernmuster sieht aber ganz anders aus:

Wir denken in Einzelfällen und addieren diese – daraus entsteht ein Wasserfall-Modell. Wie auf einer Perlenkette werden alle geplanten Ereignisse hintereinander aufgereiht, so wie ich sie linear denke. Wir glauben, dass Kausalketten so ableitbar sind. Aber wir haben in den meisten komplexen Gebilden keine Maschinen, sondern Menschen. Wir sprechen von einem lebenden System. Da gibt es Loops und zeitversetzte Reaktionen.

Es wäre falsch, aus dieser Erkenntnis zu schließen, wir brauchten keine Pläne mehr, weil eh alles anders kommt. Wir brauchen keine super-Detail-Pläne am Anfang, sondern die realistische Erkenntnis, wo stehen wir heute und wo genau wollen wir hin, wie sieht das Endziel aus? Wie ist der Weg und wo sind die Haltepunkte? Wir müssen uns dann auf der Route ständig mit den lokalen Gegebenheiten arrangieren und das Ziel im Auge behalten, auch wenn wir Umwege gehen müssen. Je dynamischer der Weg ist, je öfter muss ich den Abgleich mit dem Ziel machen. Wie auf einem Schiff ständig den Kompass im Blick haben, um das Schiff zu steuern. Die Zeiten wo man alles plant und dann nur noch ausrollt, sind wohl lange vorbei. Deshalb gibt es auch viele hybride Modelle – mit agilen Einschüben.

Und damit haben wir den Punkt erreicht, um über Agilität zu sprechen – das kommt dann im nächsten Blog.