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„Und wo bleibe ich?“ Frauen im Management – Insight

By 26. Februar 2018 No Comments

„Was mache ich denn als Führungskraft, damit ich weiter komme und nicht hängen bleibe mit weniger Geld, weniger Macht und weniger Ansehen?“ So hätte man die Frage auch stellen können, denn um nichts anderes ging es bei dem Frauenforum bei der FOM in Köln am 24. Februar, zu dem fast 200 Frauen kamen.

6. Frauenforum FOM 2018

Diese Frage ist trickreich, wie der spannende Vortrag von Professor Stefan Heinemann der FOM aufzeigte: „Bleiben Sie authentisch, sie können nur Sie selber sein um wirklich gut zu werden.“ Gleichzeitig haben die meisten Frauen eine Sozialisation von 30 Jahren „Frausein“ hinter sich und haben Eigenschaften entwickelt, die bisher nicht im Fokus der „Businesswelt“ stehen. Also müssen Frauen Wettbewerb lernen, sich hier mit guten Argumenten durchsetzen und ihre Stärken pro-aktiv vermarkten. Das Rezept des Professors ist aus der „Männerbrille“, denn er kann ja nur als Mann auf das Thema schauen, wie er selbst sagt. Sein Credo:  Üben, Üben, Üben. „Suchen Sie Ihre Stärken und bringen diese ein – sie können nicht mit Schwächen gewinnen. Machen Sie sich eine Liste mit 20 Stärken, die Sie klar als solche vertreten.“

Professor Stefan Heinemann, FOM

Als Vertreterin des Netzwerkes EWMD sehe ich das etwas mehr durch die „weibliche“ Brille und denke – das ist nur ein kleiner Teil von dem, was passieren muss. Also hier meine Sicht der Dinge – mit über 20 Jahren Netzwerkerfahrung.

Jüngste Teilnehmerin des Frauenforums – wie sieht wohl ihre Welt in 30 Jahren aus?

 

Frauen sehen es nicht –
Männer können es (noch) nicht

Die Stärken Empathie, Offenheit, Miteinander. Männer aber bieten Kurse dazu an – und Frauen machen die Verwaltung – Deutscher Alltag.

Zunächst ist es absolut wichtig, dass du, die Frau erkennt: „Es hat nichts mit mir zu tun, dass hier ist einfach ein anderes Spiel!“ Sonst wird diese Frau ein Seminar nach dem anderen besuchen und sich heftig weiterbilden, damit sie endlich alles richtig macht. Sie zweifelt ja an ihrer Kompetenz und hat das Gefühl: Wieso nehmen die mich nicht ernst?! Aber die meisten Frauen haben genug Kompetenz – nur nicht das richtige Verhalten.

Es ist gar nicht so leicht zu verstehen, dass hier ein anderes Spiel gespielt wird– oder noch besser: Hier wird ein Spiel mit Spielregeln gespielt, die Frau nicht alle kennt. „So was habe ich in meinem Leben noch nie erlebt, denn unsere Spiele hatten keine Regeln sondern Werte: Gemeinsam, alle spielen mit,  Augenhöhe, jede kommt mal dran.“ Ach, und das ist so alt ! Bereits 1971 schrieb Betty Lehn Harragan in den USA das Buch: Games, Mother never taught you to play – ein eye-opener – den mir ein amerikanischer Kollege mal mitgebracht hat.

Spannende Untersuchungen gibt es dazu vom Spielemarkt in den USA. Was und wie spielen Frauen? und Männer? „Frauen bevorzugten demnach alltägliche Spielfiguren, keine Superhelden und gaben offeneren Handlungsmöglichkeiten den Vorzug. Erfolg wollen sie durch soziale Kontakte und Beziehungen erreichen. … mehr im Artikel „Die Zeit“.

Die Herausforderung: Finde deine Stärken und stell dich damit dem Wettbewerb!

 

Diese gilt es zu erkennen, was schon eine Schwierigkeit an sich ist, denn bisher haben die Frauen das nicht als Stärke erlebt. Man ist halt so und oft genug wurde es abgewertet: Gedöns, esoterisch, unprofessionell – und das sind jetzt Stärken?

Eine Stärke bei Frauen ist Empathie, als die Fähigkeit sich in die andere Person zu versetzen und die Gefühle dieser Person zu verstehen. Mehr wikipedia  Das ist eine Kunst, die man nur durch üben erwerben kann und durch das Bewusstsein und die Haltung: nur auf Augenhöhe kommen wir uns näher. „Ich zeige dir Schwächen von mir, dann kannst du mir auch deine Schwächen zeigen„. In einer klassischen hierarchischen Businesswelt ist Empathie und Augenhöhe nur etwas für Teams, die eng miteinander arbeiten und dann sagen, wir sind agil und leben SCRUM. Diese Methode erlaubt und fordert sogar Augenhöhe.

Aber: Es widerspricht der Hierarchie, wie sie bisher gelebt wurde. Hier haben Emotionen nicht viel Beachtung bekommen oder sind unterdrückt worden. Das Verhalten im Wettbewerb heißt: „Ich zeige meine Stärke und bin besser als du.“ „Es gibt hier nur Verlierer und Gewinner!“ „Wer Schwäche zeigt hat verloren“. Drohgebärden (ich bin ganz stark) Fertigmachen (ich nutzte deine Schwäche schamlos aus) und wer nicht fordert (Gehalt) bekommt nur das Nötigste. Das steht nirgendwo. Jedes Leitbild hat andere Werte – aber so sind oft die Gesetze der Hierarchie: verdeckte Regeln, Geheimsprache – man sieht das „sportlich“. Und woher wissen die Männer das? Tja, die sind anders sozialisiert, Machtspiele, Kräftemessen und Weitpinkeln hat man schon als kleiner Junge gemacht. Die kennen das, viele mögen es auch gar nicht, aber es ist bekannt. Viele Frauen finden das so furchtbar und ziehen sich in ihre Arbeit zurück, unerkannt und unterfordert. Frauen müssen lernen: Es gibt Spielregeln, aber es gilt nicht der Wert: Gerechtigkeit.

Lohnunterschiede bis zu 25 % bei gleichem Job ist einfach nicht gerecht – aber Praxis. Männer fragen 4 x im Jahr nach einer Gehaltserhöhung – Frauen nur alle 3 Jahre. So einfach ist das. Warum sagt einem das keiner? Das ist Ökonomie.

Jeder von uns hat aber mindestens einen Beitrag oder ein Buch gelesen, dass es so in Zukunft nicht mehr sein wird. Hierarchie engt das Gesichtsfeld ein und erhält den Status quo – fördert aber nicht Innovation, neue Kundenbeziehungen und verschlankte Prozesse. Öffnung erfordert Vertrauen. Vertrauen braucht Sicherheit und Sicherheit ist kein Gesetz sondern ein Gefühl: Hier kann ich mich öffnen, ohne dass ich verletzt werde. Es sind oft Körpersignale, die das auslösen oder nicht.

Die Herausforderung der Frau im Job ist also der doppelte Rittberger:
1. Drehung:  lerne, wie es ist: Wettbewerb – Stärken finden
2. Drehung: verändere, in deine Richtung – leite den Change – hab das Ziel vor Augen

Und es gibt natürlich noch eine weitere Lösung: Wenn sich die Frauen in den „alten“ Unternehmen gut eingearbeitet haben und der Wille zum Change fehlt oder zu anstrengend ist, dann kann Frau gehen und sich selbständig machen und eine Firma gründen, die zu ihr passt: Kooperativ und auf Augenhöhe. Aber dazu braucht man Mut und gute Unterstützung. (Diejenigen, die ich kenne, haben es nie bereut)

Heidi Klum wird nicht Chef in Deutschland

Käthe Kruse und Pipi Langstrumpf auch nicht.

 

10 Schritte zum persönlichen Erfolg und Wachstum

 

1. Erkenne, dass dein „Frausein“ in der Businesswelt nicht als das „richtige Verhalten“ angesehen wird und deine Offenheit als Bedrohung der Hierarchie. Wenn du zu viel FRAU bist – auch im optischen Sinne – dann macht das „Unbehagen“, mann kann dein Verhalten nicht abschätzen, das macht unsicher, das will man nicht.

2. Erkenne, dass du dich an die Spielregeln hältst und dich dem Wettbewerb stellst, mit anderen kämpfst, damit du weiter kommst. Du must ein Player sein, sonst lassen dich die Jungs nicht mitspielen. Kein Ausbüchsen, Hierarchie einhalten, Hackordnung beachten und Erfolge richtig feiern! Spiel Fußball, auch wenn du lieber Volleyball spielst

3. Erkenne, dass du auf keinen Fall männliches Verhalten kopieren darfst, sonst giltst du als nicht authentisch. (Kampfzicke, Mannweib und vieles Abwertende mehr). Authentizität ist aber ein wichtiges Merkmal für Führungskräfte um akzeptiert zu werden. Also wenn du nicht kopierst, dann musst du so eine Art „Queen Elisabeth I“ werden. Nicht zu viel Frau, Würde und Kraft ausstrahlend und in guten Zeiten mütterlich (kreative Räume schaffen) aber in schlechten Zeiten auch klare Grenzen setzen „Richterin“. Uns fehlen hier die Rollenbilder – vielleicht die Politikerin Angela Merkel (aber du siehst ja selbst, wie sie gerade jetzt angefeindet wird mit Ihrer Art) und Managerin? Unternehmerin? Künstlerin? Professorin? Suche dir welche, die für dich passen. Auffallend ist: Erfolgreiche Frauen haben Humor und lachen viel. Das zeigt Stärke, aber auch Entspanntheit, ein Signal: „Ich habe es geschafft“, oder „ ich habe keine Angst.“

4. Erkenne, dass dein Bedürfnis nach „Harmonie, Augenhöhe, Empathie, Zuhören, einbinden anderer, eine echte Lösung finden, kreative Wege gehen, frei Denken, Konflikte angehen und nicht unter den Tisch kehren etc.“ nicht in die alte Hierarchie passen – aber: In Teams und Projekten sehr begehrt sind. Finde die Balance – und nutze dein Können wo immer es geht – bau dein Image danach auf, so dass man dich erkennt und schätzt. Betone, dass du diese Kompetenz hast, weil das auch deine Werte sind: Offenheit, Vertrauen, Miteinander, Agilität und Kreativität. Für große spannende Projekte sind das die richtigen Grundlagen und über Projekte kann man Karriere machen. Um Projekte kämpft man – auch hier ist Wettbewerb. Bühnen, auf denen man glänzen kann, sind immer umkämpft.

5. Erkenne, dass du bereits das „Neue“ in dir trägst und das ganz natürlich leben kannst – weil du es immer schon getan hast und deshalb sehr authentisch bist. Sei die natürliche Führerin, die aber auch mit dem „männlichen“ Führer arbeiten kann.

Sei nicht frustriert, dass die alte Business-Welt dies nicht erkennt und es eine Veränderung braucht, um in das Neue zu gehen. Viele haben hier Angst, du kannst das verstehen. Nur wer beide Seiten kennt, kann aus der alten Welt in die neue führen. Lass dich nicht vom Ziel abbringen und finde Verbündete, die dieses Ziel teilen. Formuliere es so, dass es angenommen werden kann, also Business-Sprache, nicht psychologisch! Schau dir das Konzept „Blue Ocean shift – beyond competition“ an – es ist nichts anderes, nur anders verpackt. Mal ein weiblicher Blick auf die Theorie in Marie TV mit der Co-Autorin Renée Mauborgne  30 min.

6. Erkenne, dass du in beiden Welten zu Hause sein musst, in deiner Welt bist du es ja. Aber du musst auch die andere Seite kennen und dich empathisch einfühlen, wie Hierarchie und Wettbewerb funktioniert. Lehne es nicht ab, es hat bisher seinen Sinn gehabt und wird in einer neuen Form auch wieder gebraucht. Sehe es als Spielregeln an und bleib flexibel. Vor allem: Es hat nichts mit Männern und Frauen zu tun.  Es wertet dich nicht als Frau ab, sondern es sind Strukturen und Werte eines anderen Raums, lerne es als Fremdsprache.

7. Erkenne, dass du die ideale Person bist, den Change zu treiben und Menschen zu begeistern, weil du aus dieser Welt kommst. Diesen Wettbewerbsvorteil haben Männer nicht, weil sie anders sozialisiert wurden. Auch wenn Väter bereits Arbeit teilen und Familienphasen nutzen, ist das Gesamtumfeld in der Wirtschaft und den Organisationen immer noch auf Wettbewerb aus. Mach gleich klar: Wie wollen wir spielen? Blue Ocean oder Red Ocean? Es ist immer gut, wenn du die Spielregeln klar machst. Der erste Schritt ist Offenheit. Lad die anderen ein, aus den alten Mustern auszusteigen, auch wenn erst in einem kleinen Rahmen.

8. Erkenne, dass du Charisma erwirbst, wenn du Menschen nah bist. Charisma ist nichts angeborenes, es ist Erfahrung mit Menschen. Wikipedia: „Der Begriff Charisma geht zurück auf die altgriechische Wurzel char (willfahren, Gunst erweisen, beschenken, senden) auf der das Verb χαρίζεσθαι – charítsesthai (spenden, schenken) basiert.“ Charisma ist die Fähigkeit empathisch zu sein, Menschen das Gefühl zu geben: „Ich höre dich, ich sehe dich und ich weiß, wie du dich gerade fühlst.“ Aber du hast dann nicht einfach Mitgefühl und jammerst gemeinsam. Nein – du kannst diese Person heben, aus der Angst, Trauer, Sorge – hochheben. Du schenkst Hoffnung und Zuversicht. Du teilst deine Vision, deine Hoffnung und gibst positive Signale, wie es weitergeht. Du hast die Kraft in dir, du glaubst an deine Werte, die dich tragen. Das spürt die andere Person und kann sich getragen fühlen. Aber Vorsicht: Das muss echt sein. Wenn du das schauspielerst, verlierst du deine Authentizität. Leader mit Charisma lächeln! Dalai Lama, Mahatma Gandhi und Nelson Mandela. Nur Männer? Na wie wäre es mit: IWF Chefin Christine Lagarde, Facebook COO Sheryl Sandberg und Henriette Reger, der Oberbürgermeisterin der Stadt Köln? Zu berühmt? Dann lieber die neue Politikerin Anke Domscheidt-Berg, die auch Netzaktivistin ist? Suche dir ein Roll-Modell und studiere das Verhalten.

9. Erkenne, das Neue will in Gemeinschaft sicher erprobt werden. Wenn du diese Schritte beobachten willst, und Fragen hast, dann suche dir ein Netzwerk und frag die anderen Menschen dort, wie du auf sie wirkst und bitte um Feedback. Nur so wirst du einen Spiegel bekommen, um dich selbst zu sehen. Arbeite an dir, hinterfrage deine Haltungen, frag andere Frauen, wie sie damit umgehen und wundere dich nicht, wenn viele diesen Weg noch nicht gegangen sind. Einige Frauen im Management kopieren noch Männer.

10. Erkenne, dass es ohne Englisch und IT-Kenntnisse auch nicht weiter geht. Wer die Tools nicht verwenden kann und nur „social competence“ hat, wird zwar nicht digitalisiert, aber durch Menschen ersetzt, die das können. Aber das ist ein anderes großes Thema für den nächsten Beitrag im Blog 🙂

Netzwerke für Frauen und Männer

Netzwerke sind dazu da, nah zu sein, persönlich und unterstützend. Es gilt immer das Prinzip: Geben und nehmen. Wir sind auf Augenhöhe und beim Du. Bring dich und dein So-Sein mit und versuch zu verstehen, warum was passiert. Achtung: Netzwerke sind kein Klassentreffen und kein Kaffeeklatsch – auch wenn sich das manchmal so anfühlt.

Das Ziel, etwas zu verändern und auszuprobieren ist die Satzung der Gemeinschaft, nicht das Wohlfühlen an sich. Es geht darum, an die Grenze des eigenen Rahmens zu gehen, um ihn zu erweitern.

Wie findet man das passende Netzwerk?

a) Ähnlichkeiten macht vertraut und ermöglichen gute Gespräche
b) Vielfalt in den Lebens-Konzepten und Jobs gibt neue Einblicke
c) Übernehme Aufgaben, die dich herausfordern, werde sofort aktiv
(Vielleicht ist es der Umgang mit Social Media?)

Mein Netzwerk: www.ewmd.org
European Women`s Management Development International Network:
Auf Social Media: Facebook, Twitter und LinkedIn

Wer war da?

Studentinnen der FOM, Frauen, die neben dem Job ein Masterstudium absolvieren, um anschließend eine bessere Karriere machen zu können. Außerdem waren Frauen aus den Netzwerken da, die diesen jungen Frauen helfen wollen, durch das Vernetzen und Austauschen mehr Sicherheit und Zuversicht im Job zu finden. Hinzu kamen die Gleichstellungsbeauftragten der Stadt Köln und das Arbeitsamt, das für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt antritt und eine Serie konzipiert hat „Frauen gründen anders!“

Programm auf https://www.facebook.com/events/1992440914331259

Veranstalter  FOM Hochschule Köln