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Was tun? Klima und Komplexität

By 1. April 2019 No Comments

Was bedeutet nun die Demonstration „Friday for Future“ von den Schülern – was fordern sie konkret ein? Es ist der Perspektivenwechsel von Wachstum – zu Nachhaltigkeit. Von Ressourcenausbeutung zu Ressourcenschonung. Ein paar Hintergründe und links …. zum Klima und was man tun kann.

Die Kinder, Schüler und Lehrer haben ihre Hausaufgaben gemacht und recherchiert: Der Katalog wurde bereits vor 50 Jahren oder früher von namhaften Wissenschaftlern gefordert. In Europa machen wir es am „Club of Rome“ fest – der 1972 „das Ende des Wachstums“ einleitete. Dennis Meadows war nur einer von Ihnen. Seine extra für Skeptiker entwickelte Fishbank Simulation lässt jeden Spieler schnell erleben, dass die Gewinnlust und Gier immer dafür sorgt, dass die Fischgründe im Spiel überfischt werden und das System kippt. Man kann es nicht aufhalten – es läuft immer negativ. Erst dann kommt die Erkenntnis, anders wäre besser gewesen und man hätte noch Fisch. Aber dann ist es zu spät. Und dann spielt man einfach wieder eine andere Simulation, wo man gewinnen kann. Siehe Fishbanks beim MIT

Worüber redet Greta – was hat sie wohl alles gelesen?

Ein link zum Thema Nachhaltigkeit – aus Rheinhessen. Viele kennen auch den Brundtland-Bericht von 1987. Auf seine Veröffentlichung folgte 1989 die Einberufung der Konferenz der Vereinten Nationen über Umwelt und Entwicklung (als Rio-Konferenz oder Erdgipfel bekannt), die im Jahr 1992 in Rio de Janeiro stattfand. Der Brundtland-Bericht sollte in internationales Handeln umgesetzt werden, hierfür wurde die Agenda 21 beschlossen. Und was ist passiert: Die Länder haben sich nicht darauf eingelassen – weder Kyoto noch Rio, und zuletzt Paris. Auch hier macht das größte Land und der größte Emissionär nicht mit, die USA.

Die aktuellen Berichte über das Klima und die nötigen Schritte sind klar mit Fakten und Grafiken belegt beim IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change), welches gegründet worden ist, um Politiker und Entscheider über die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse zum Thema Klimawandel zu informieren – eine offene Quelle – auch für Schüler. Darauf weist das IPCC besonders in seinem Tweet am 15. März hin.

Nun ist man landläufig der Meinung – das Klima ist so komplex, dass man nur zu einem guten Ergebnis kommt, wenn alle etwas gemeinsam tun, Alleingänge machen keinen Sinn. Weil die Großmächste USA, China und Russland nicht wirklich mitmachen, können die kleinen Länder nichts ausrichten. Warum also so viel Energie aufbringen – wie z.B. der Versuch mi den CO2 Zertifikaten – und China macht nicht mit. Die Verhandlungen mit den Vereinten Nationen zu dem Thema Klima sind gescheitert – und kein Politiker nimmt das Thema selbst in die Hand. So sieht es heute aus.

Aber das stimmt nicht ganz.

Es gibt genug Länder, die dem Wunsch der Bevölkerung folgen und nachhaltige Konzepte im eigenen Land umsetzen: Dänemark, Schweden, aber auch Ruanda. Beitrag In Ruanda ist es seit 2008 verboten, Plastiktüten zu importieren, zu produzieren, zu verkaufen oder auch einfach nur zu besitzen. Und dieses Verbot setzt die Regierung rigoros durch. Neben Geldstrafen drohen bis zu zwölf Monate Gefängnis. Aber es geht nicht nur um Verbote – sondern auch um Aktionen: Jeden letzten Samstag im Monat ist Putztag im Land. Umuganda-Tag. Hier haben alle frei und säubern die Stadt von Müll – auch Politiker und Vorgesetzte. „Oh – das haben wir doch damals beim Grünen Punkt auch so ähnlich gemacht!“ fällt sicher dem ein oder anderen ein … stimmt, das war Anfang der 90er in Deutschland. Der Grüne Punkt bekam seine Dynamik durch die Kinder – weil diese in der Schule das System verstanden und anschließend ihre Eltern bekehrten – wieder innerhalb der Familie ….

Wie macht man das? Durch Kommunikation, Aufklärung und Unterricht in Schulen, freiwilligen Maßnahmen und klaren Gesetzen. So beim Grünen Punkt und auch in Ruanda mit dem Plastik. In Europa hat sich die EU-Kommission Anfang des Jahres durchgerungen, Einmalgeschirr und Strohhalme sowie Wattestäbchen aus Kunststoff zu verbieten bis 2021. Welche weitreichende Aktion! Spiegel Beitrag. 

Einige Wissenschaftler in den USA hoffen immer noch auf einen Umschwung – und auf proactive Willensbildung der Politik, wie damals Kennedy der sagte: „Wir fliegen zum Mond“ – und alle haben geforscht und gemacht, um dieses Ziel zu erreichen. Aber welcher Politiker in den USA soll den Amerikanern sagen: Ihr fliegt nicht mehr so viel, wir lassen das Fracking und nutzen alternative Energie, wir brauchen andere Systeme – findet sie! Vielleicht packt es Elon Musk an, wenn er nicht gerade doch zum Mars fliegt, weil er für die Erde und die Weltgemeinschaft keine Chance mehr sieht.

Das Volk wählt Politiker, die diese Gesetze erlassen und auch umsetzen. Und hier ist der Hebel auch für Greta und die Schülerinnen: Wenn es heute keine Partei aufgreift, wird sich eine neue Partei gründen und die wird mit den Schülern, Eltern und Wissenschaftlern diese Gesetze erlassen müssen – veränderte Prioritäten der Wirtschaft, Nachhaltigkeit first. Die Schüler die heute demonstrieren, sind in 2-3 Jahren Wähler. Je mehr man diese mutigen Menschen defamiert, beleidigt und in die alten Schubladen zurückschieben will – je mehr wird sich der Wille festigen, dieses System zu verändern. Aber warum warten? Die Schüler, Eltern und Wissenschaftler, die sich bereits zur „Friday for Future“ Initiative zusammengeschlossen haben – warum gründen die nicht eine Partei „Friends for Future“. Ich konnte keine Altersbegrenzung zur Gründung einer Partei finden – nur die Vorgaben des BMI …im Parteiengesetz : man muss in Deutschland leben.

Und die Grünen?

Gehören sie schon zu lange zum Establishment ? Glauben sie, auch ohne wirklich neue Ideen und Ansätze zubringen, gewählt zu werden? Es ist eine Frage der Alternativen. Also liebe Schüler – macht Info-Veranstaltungen für die Bürger – wie damals, als die Kinder den Eltern erklärten, warum der „Grüne Punkt“ Sinn macht und Müll getrennt werden muss. Recycling fing in der Küche an – mitten in der Familie. Vielleicht muss man nicht so extrem sein wie Greta. Ihre Mutter ist Opernsängerin und fliegt nicht mehr – weil ihre Tochter darin den Anfang sieht. Das bedeutet aber auch das Ende einer Karriere. So hat Greta auch die anderen Prominenten angeredet auf der Verleihung der „Goldenen Kamera“ in Berlin. Welcher Promi wird sie unterstützen und nicht mehr fliegen? Alle haben betreten geschaut.

Klimawandel in fünf Schritten

Aber wird der Aufruf auf Verzicht und Einschränkung punkten? Gäbe es nicht große Einheiten, die möglich sind, ohne dass wir die Welt zurückdrehen auf 1920? Dabei gibt es ganz einfache Ansätze – die Deutsche Welle Akamdie – DW Akademy – hat diese vorgestellt. Guter Journalismus ! Man fängt da an, wo man am meisten bewirken kann: Energie – Landwirtschaft – Effizienz – Gesetze – Verhalten

1.  Erneuerbare Energien statt Kohle, Öl und Gas (Woher kommt der Strom aus der Steckdose?)

2.  Landwirtschaft: Vom Klimakiller zum Klimaretter  (Was essen wir ?)

3.  Weniger Energie, mehr Effizienz (Wie wohnen wir ?)

4.  Gute Klimapolitik (Wen wählen wir ?)

Politisches Handeln hat eine Schlüsselstellung im Kampf gegen den Klimawandel. Regierungen können weitsichtige Entscheidungen mit Rücksicht auf nachfolgende Generationen treffen oder dies unterlassen. Mit Gesetzen, Steuern, Förderprogrammen können sie wichtige Impulse für den Klimaschutz setzen. Klimaexperten beobachten und bewerten seit einigen Jahren die Klimapolitik vieler Länder. Ganz vorne stehen in diesem Ranking inzwischen Marokko, China, Frankreich und Portugal, im oberen Mittelfeld Deutschland und ganz unten Bulgarien, die USA und die Türkei.

5.  Eigene Möglichkeiten nutzen (Wie lebst du?)

Jetzt kommen die Klima-Populisten

Und dann heute die Petition bei Change.org von Yanis Varoufakis – der Aufruf an den Europarat (Regierungen), 500 Milliarden EUR für das Klima freizusetzen. „Als Gründer von DiEM25 und als Kandidat von DEMOKRATIE IN EUROPA bei der Europawahl stehe ich für ein radikales Umdenken der Klima- und Sozialpolitik in Europa. Deshalb fordere ich den Europäischen Rat heute dazu auf, einen Europäischen Green New Deal aufzusetzen.“ Da das Parlament sich bald auflöst, kann nur das neue Parlament mit dem Rat entscheiden. Aber es wird erst einmal am 26. Mai gewählt. – Varoufakis will es selbst machen und kündigt es schon mal an, solange Greta noch in Deutschland ist, kann er damit punkten. Die Unterschriften rauschen nur so rein …. Er muss aufgrund der Besonderheit des Europawahlrechts in Deutschland nur 0,6 Prozent der Stimmen holen, um ihn als ihren Spitzenkandidaten im Europaparlament zu platzieren. Hat er eine Chance bei fast 700 Abgeordneten?

Vom Aussitzen sind noch keine neuen Impulse gekommen. Einige denken: „Vielleicht haben je einige Wissenschaftler doch recht, und das CO2 ist gar nicht der Verursacher … sondern die Sonnenflecken?“ …. Aber 95 % aller Wissenschaftler weltweit sehen das anders – ich auch. Die Altparteien müssen endlich klare Ziele formulieren und dem Wähler erklären!

Liebe Greta, ich bewundere deinen Einsatz und hoffe, dass die anderen Schüler auch einen langen Atem haben. Wir müssen nur langsam konkret werden – hilf Ihnen, die Prioritäten festzulegen und die Ziele genau zu definieren – nur so geht es voran. Such dir einen Wissenschaftler*in – die mit dir durch die Lande ziehen. Aufgerüttelt ist genug, wir müssen konkret werden, damit wir anfangen können. Diese Diskussion ist ein Paradebeispiel für eine Transformation einer Gesellschaft. Wir sind teil davon.