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Was will Greta? Klima – the house is burning

By 1. April 2019 No Comments

Ich weiss nicht, wie es Ihnen/Euch geht, aber ich bin von dieser Greta Thunberg beeindruckt. Sie hat einen beachtlichen Wikipedia-Eintrag und ist täglich oder doch wöchentlich in den sozialen Netzwerken zu sehen – aber auch in der Tagesschau und bei Anne Will. Sie spricht klar und ohne „eehms“ – konzentriert und eindringlich. Ihr TED Talk rüttelt wach.

Hier ist eine Auszug aus der Mitschrift Ihres Auftritts in TED – und mir ist wichtig zu zeigen, was und wie sie es sagt:

„Besonders beim Thema Nachhaltigkeit, über das jeder sagt, der Klimawandel sei eine existentielle Bedrohung und das wichtigste Thema von allen, machen alle weiter wie bisher. Ich verstehe das nicht, denn wenn Emissionen gestoppt werden müssen, dann müssen wir sie stoppen. Ich sehe das schwarz-weiß. Es gibt keine Grauzonen, wenn es um das Überleben geht. Entweder bestehen wir als Zivilisation weiter oder nicht. Wir müssen uns ändern! Reiche Länder wie Schweden müssen anfangen, die Emissionen wenigstens um 15 % pro Jahr zu verringern. Nur so bleiben wir unter einer Erwärmung von 2 Grad. Doch wie der Weltklimarat kürzlich zeigte, könnten wir mit einem Ziel von 1,5° Celsius stattdessen die Folgen für das Klima deutlich reduzieren. Wir können uns denken, was das für die Verringerung von Emissionen bedeutet. Man sollte meinen, die Medien und sämtliche Politiker würden über nichts anderes reden. Aber sie erwähnen es nicht einmal. Auch nicht, dass Treibhausgase bereits im System eingeschlossen sind. Oder dass Luftverschmutzung eine Erwärmung versteckt, so dass wir beim Verbrennungsstopp fossiler Brennstoffe bereits eine zusätzliche Erwärmung von vielleicht sogar 0,5 bis 1,1° Celsius haben. … Es gibt keine Notfallversammlungen, keine Schlagzeilen, keine aktuellen Nachrichten. Niemand handelt, als wären wir in einer Krise.” siehe ganzer Beitrag in TED

Und sie will, dass endlich jemand etwas tut. Deshalb motiviert sie weltweit Schüler für die Freitagsdemonstrationen „#Friday`s for Future“. Begonnen hatte sie selbst mit einem Schild vor dem Stockholmer Reichstag – nach den Sommerferien – in 2018. Am 15. März sollte der Protest für eine entschlossene Klimapolitik seinen bisherigen Höhepunkt erreichen. Kundgebungen in mehr als 1000 Städten und über 100 Ländern.

Und was passiert? Die Medien nahmen diese Demonstrationen auf und brachten das Thema in die Nachrichten. Politiker wurden interviewt, was sie dazu denken und sagen …. Ja und dann passierte das, was passieren muss. Die Politiker waren ja direkt angegriffen und gingen in die Verteidigung: „Die sollen für so was nicht die Schule schwänzen, das sollen die in der Freizeit machen“. Oder wie der FDP Chef Lindner: „Dafür gibt es Profis.“

Aus politikscher Sicht wurde der Gegner erst einmal klein gemacht – es handelt sich ja um Kinder und Jugendliche – und dann in die Schranken verwiesen und auf den Rechtsbruch aufmerksam gemacht – dass Schule schwänzen nicht geht und somit das ganze keine solide Basis hat. Erst einmal muss man sich benehmen, dann kann man reden. Das „System“ Gesellschaft repariert sich von innen – Schotten dicht – zurück in die Kiste. Es wurde nicht über Inhalte geredet, sondern ausschließlich über die Form der Demonstration und deren Legitimation.

Greta Thunberg will aber gerade aus diesem System ausbrechen, da es ja zu dem Verhalten geführt hat, welches sie kritisiert. Sie argumentiert außerhalb des alten Systems und zeigt die Erweiterung auf: Sie spricht von Zeiträumen von 2103 – der Tag, an dem Sie 100 würde, wenn es die Welt dann noch so gibt. Politiker denken in kleineren Einheiten – vielleicht 2025 oder doch schon 2050. Aber die Kinder und Enkelkinder von Greta leben viel später und werden die Auswirkungen des Nichthandelns von heute erleben.

Das Dilemma ist: Politiker sind gewählt, um im System zu arbeiten. So sehen es die meisten und deshalb gibt es auch keine Visionen … Der einzige Politiker der dies versucht hat im letzten Jahr war der französische Ministerpräsident Macron. Er ist an den anderen Staatschef abgeprallt. Europäische Visionen sind nicht gefragt, auch nicht aus Frankreich. Status Quo erhalten mit den Mitteln von gestern.

Die Frage stellt sich mir : Wie kann Greta und die anderen 1000 Schüler dieses systemische Verhalten verändern? Wie haben das andere gemacht? Ich denke da an die Studentendemonstrationen in den 68ern. Auch diese haben damals provoziert und die Lager gespalten. Es hat die nötigen Diskussionen in der Gesellschaft ausgelöst? Oder haben nur alle so leben können, wie man wollte, weil viele Veränderungen in der Familie selbst umsetzbar waren, also im Privaten vor sich gingen? Dazu brauchte man keine Genehmigung – man tat es einfach.

Seit wann nimmt man Kinder ernst?

„Es wurden ein paar Gesetze erlassen – so z.B. wurde das Thema Kind und Kindheit neu diskutiert. Bis dahin war die Erziehung rein innerfamiliär und das Recht lag bei der Familie – oft nur beim Vater. Dies änderte sich erst mit der Durchsetzung der UN-Kinderrechtskonvention, am 20. November 1989 durch die UN-Generalversammlung, die von allen Ländern – außer den USA – ratifiziert wurde. https://www.kinderrechtskonvention.info.

Es wurde das Recht des Kindes eingeführt – auch die freie Meinungsäußerung des Kindes – z.B. vor Gericht. In diesem Zusammenhang sein noch mal kurz erwähnt, wie eng es in der deutschen Familie früher zuging:Das Bürgerliche Gesetzbuch schrieb es vor: Wollte eine Frau arbeiten, musste das ihr Ehemann erlauben. Erst 1977 wurde das Gesetz geändert. Bis 1. Juli 1958 hatte der Mann, wenn es ihm beliebte, den Anstellungsvertrag der Frau nach eigenem Ermessen und ohne deren Zustimmung fristlos kündigen können.“

Meine Botschaft: Nehmt die Schüler und die Wissenschaftler ernst – und geht auf die Politiker zu und fordert einen klaren Plan, wie man das Thema angeht. Greta – well done – halte durch.