Nachhaltigkeit

Eingriffe ins System

By 13. März 2010 No Comments

Wunderbarer Artikel im Handelsblatt zum Thema Einstellung, Verhalten und Beeinflussung: Das wird vor allem interessant, wenn es ums Klima geht, um Co2 und Stromverbrauch. Deutschlands Bürger schauen dabei gern auf die USA, die ja so unwirtschaftlich handelt. Aber mit wem vergleichen wir uns denn? Man kann viel technisch lösen (daran glauben die Deutschen immer gern) aber mehr noch über Technik und Verhalten.

Donella Meadows ist Biologin und hat das Sustainability Institut gegründet. Sie  hat ein 12 Punkte Programm aufgestellt, wie man in ein System eingreifen kann (Leverage Points, how to intervene in a system). Sie sagt: Rankinglisten erstellen und zeigen, dass man schlechter ist. Das liefert die Motivation, um sich anzustrengen.

Zurück zum Artikel von Hans Christian Müller und dem Beispiel aus Norwegen. Hier beschreibt er, dass die Stromerzeuger den Verbrauchern eine  Liste zur Verfügung stellen müssen, wie hoch der  Verbrauch im Schnitt zu anderen ist. Das hat eine Verhaltensänderung ausgelöst und 10 % Strom gespart. Oder das gute Beispiel mit dem Blutspenden: Es geht nicht ums Geld, sonder um die Ehre – oder das Gefühl etwas Gutes zu tun. Eine Untersuchung in Schweden ergab: Sobald es Geld für Blutspenden gab, reduzierte sich das Blutangebot um die Hälfte.“ Das war vor allem bei weiblichen Spendern auffallend. Die Anerkennung bei Familie und Freunden war mehr wert, das ist der versteckte Gewinn einer Handlung.

Anreizsysteme müssen immer bedenken, ob sie das Denken in die richtige Richtung leiten. Was nützt es „guten Strom von Lichtblick“ zu beziehen und dann aber viel davon zu verbrauchen …

Auch alternative Ökostromanbieter sind Unternehmen und streben nach Gewinn. Es geht um Wachstum und Verbrauch, um Umsatz und Rendite. Die Rankinglisten, wie in Norwegen, können nur per Gesetz eingeführt werden. Wer würde in Deutschland seinen Kunden raten, doch weniger zu brauchen, weil es umweltfreundlicher ist?

Ein gutes Beispiel hat er vergessen: In Schweden (Malmö) wird der Müll in Verbrennungsanlagen verbrannt und zu Energie gewandelt, womit Wasser erhitzt wird. So erhalten die Bürger von Malmö das Wasser heiß aus dem Hahn (wie auf Island – aber da ist es naturheiß) 65 % des Heißwasserbedarfs stammen aus dieser Quelle. Ganze Gemeinden werden so versorgt und brauchen keine eigenen Heißwasser-Geräte, die wieder lokal Strom brauchen (nachdem sie erst mal aufwendig hergestellt worden sind).

Bericht in Knowledge-Allianz : One thing Malmö has done well is to transform its 1950s-era oil and coal-fired district heating infrastructure into a model waste-to-energy system.“About 65 percent of the city’s heat demand is met by waste incineration,” says Trevor Graham, Head of Sustainable Development Unit, City of Malmö. “We can envisage heating the entire city from waste, and perhaps providing 10 percent of its electricity too.”

Wir in Deutschland haben ein anderes System gewählt. Wir trennen aufwendig den Müll (Ursprung dazu waren ja die übervollen Deponien und dann die Lösung über den Grünen Punkt) und die Wertstoffe  werden soweit es geht recycelt (Flaschen, Papier, Bio, Kunststoffe). Der Rest ist Hausmüll, der in der Verbrennungsanlage verbrannt wird. In Deutschland sind diese so konzipiert sind, dass Sie diesen Zweck erfüllen. Man muss oft sogar mit Energie zuschießen, wenn der Müll zu nass ist, damit es überhaupt verbrennt. Von Rückgewinnung in Wärme keine Spur. Das Denk-Prinzip in Deutschland heißt auch: Müllvermeidung. Je teurer die Entsorgung ist, desto mehr lassen sich Hersteller und Verbraucher einfallen, keinen Müll anfallen zu lassen (Kartonverpackungen bleiben bei vielen Discountern gleich am Eingang, Verpackungen werden bei der Produktentwicklung und -Design schon optimiert).

Was kann man aus den Beispielen lernen? Kennzahlen, die Verhalten steuern, sollten im Gesamtsystem angeschaut werden. So auch bei der CO2 Diskussion. So wurde vorige Woche die aktuelle Neuberechnung der Stahlindustrie vorgestellt, die ja viel Energie braucht, aber auch Stahl herstellt, der wieder Engergiesparen möglich macht (Windkraftanlagen).

Hierzu ein Kommentar von Dr. Vera Calenbuhr:

Denn was die Stahlindustrie sich davon den Consultants hat zusammenrechnen lassen (und andere Industriezweige werden nun auf diesen Zug aufsteigen) ist eine Milchmädchen-Rechnung. Es stimmt schon, dass durch die Verwendung modernerer Stähle unsere Ressourcennutzung punktuell effizienter wird. Aber eben nur punktuell. Insgesamt geht unsere Ressourcennutzung aber kaum zurück. Das gleiche Argument könnte die Autoindustrie anführen, denn die nächste Modell-Generation ist immer effizienter als die vorhergehende. Trotzdem steigt die Zahl der Autos ständig, und das sowohl in OECD Staaten wie in den BRICS-Staaten. Und trotz der grösseren Energieeffizienz steigt der Erdölkonsum, weil wir mehr km fahren und mehr Autos haben.Anders ausgedrückt: Hier geht es um die Frage, was besser ist:Mit viel Energie Energiesparendes produzieren -oder-mit weniger Energie Energieverschwendendes produzieren.
Prinzipiell würde man zu ersterem tendieren und das ist auch richtig. So ist es zB bei einer Life-Cycle Betrachtung einer Waschmaschine klüger, auf der Ebene des Waschmaschinenbetriebs zu optimieren als auf der Ebene der Waschmaschinen-Herstellung. Wenn man aber gleichzeitig umso mehr Waschmaschinen herstellt und damit auch häufiger wäscht, so verbrauchen wir am Ende doch mehr Ressourcen. Das ganze hat was mit Rebound-Effekt zu tun, sowie mit dem Unterschied einer einzelwirtschaftlichen Betrachtung gegenüber einer volkswirtschaftlichen.

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