ChangeEconomics

Verbot am Finanzmarkt – Change Beispiel

Da hat es mal richtig geknallt – als um Mitternacht deutsche  Zeit die Ticker von Reuter und Bloomberg die Meldung auf den Bildschirmen der Finanzhändler aufleuchten ließ: Die Deutsche Regierung hat ein Gesetzt verabschiedet das sofort in Kraft tritt: „In Deutschland kein Handel mehr von nicht gedeckten Leerverkäufen auf Staatsanleihen aus Euroländern.“

Obwohl dies nur Deutschland betrifft und nur die Finanzgeschäfte, die nicht über die Börsen abgewickelt werden, war die ganze Welt in Aufruhr und jeder hatte eine Meinung. Es war die Kunst eine Nadel richtig zu setzen. Der Sprengstoff lag eigentlich nicht in dem Verbot an sich, sondern in der Tatsache, dass es eine Regierung gewagt hatte, sich hier regulierend zu betätigen. Das hatte niemand von der Kanzlerin und ihrem Finanzminister erwartet.  Mehr Info zu Leerverkäufen siehe Artikel Handelsblatt Mai und animierte Grafik zu Leerverkäufen.

Hintergrund: „Ende 2007, schätzen Ökonomen, waren in den USA an mehr als 40 Prozent aller Aktiengeschäfte Leerverkäufer beteiligt. Sie spekulieren auf sinkende Kurse. Ähnliches gilt für Credit Default Swaps – Finanzinstrumente, mit denen Investoren auf die Insolvenz von Hausbesitzern oder Staaten wetten können.“ Siehe ganzer Beitrag oben

Für Europa: Die bisherige  Lücke im Gesetz zur Regulierung der Hedge-Fonds hat es in sich: Geschätzte zwei Billionen Euro Vermögen verwalten die Alternativen Investments in Europa – bisher vollkommen unkontrolliert. Regelung steht kurz bevor.

Dies ist ein herrliches Beispiel für eine Change Kurve – so wie es auch in einem Unternehmen und anderen Organisationen ablaufen könnte – ein Paradebeispiel sozusagen. Es ist alles im Spiel: Die Bombe, die Wutausbrüche, zu wenig Information, Hilflosigkeit, wildes Agieren, Versuch der Absicherung durch Anwälte.

Change Kurve

So ist es bei einem Change Prozess, sie können diesen Prozess nicht abmildern und abgestimmt kommunizieren. Wie bei einer Fusion muss das Geheimnis kurz und klar auf den Tisch. Ein kleiner Kreis darf nur informiert sein. Details und Umsetzung werden später zügig geklärt. Zunächst müssen Fakten geschaffen werden.

Schauen Sie sich das mal gerade am Beispiel „Leerverkäufe“ an. Ich habe die  Meldungen ausgewertet und zusammengestellt.

1. Die deutsche Regierung hat kurzfristig ohne Ankündigung ein Gesetz verabschiedet und am 19. Mai in Kraft gesetzt.

2. Inhalt: Verbot in Deutschland von ungedeckten Leerverkäufen auf Staatsanleihen aus Euroländern. (vorwiegend von Hedgefonds außerhalb der Börsenaufsicht getätigt) befristet bis März 2011

3. Ziel: Stärkung des EURO, Stopp der Wetten auf fallende Werte der Staatsanleihen (Griechenland), Teilregulierung der Hedgefonds

4. Umsetzung: Das Gesetz ging an die BaFin (Börsenaufsicht), die um Mitternacht alle Börsen davon informierte ( Ticker Bloomberg und Reuter)

5. Betroffen: Marktteilnehmer in Deutschland, die hier Geschäfte tätigen

Was passiert:

1. Termin  Mitternacht Deutschland war 20 h in USA (Börse drehte dort durch), Preise vielen, Panik
2. Alle Betroffenen riefen ihre Anwälte an um zu klären, was dies nun bedeute – Nachtschicht in allen Abteilungen, externen Berater
3. Das Schreiben der BaFin war auf Deutsch verfasst, deshalb konnten die ausländischen Börsianer und Anwälte  in Deutschland und London dies nicht verstehen(es gab nur die englischen Versionen der Nachrichtendienste)
4. Stimmung: Unverständnis, Wut, Verunsicherung – Hilflosigkeit
5. Andere Stakeholder: Finanzaufsicht der Europäischen Länder – sind verärgert über Alleingang von Deutschland (Frankreich),  EU Kommission war überrascht und äußert sich sehr diplomatisch (man habe Verständnis)

Was wird jetzt passieren (meine persönliche Sicht cs):

1. Rechtsabteilungen klären den Sachverhalt, Handlungsanweisungen werden geschrieben und mitgeteilt in jedem Institut, Strategen überlegen neue Ziele, Hedge Fonds werden sich ein Loch suchen, und die Geschäfte ins Ausland verlagern (Deutsche Banken werden ihre Auslandstöchter nutzen). Meine Prognose: Keine Auswirkungen

2. Der Druck auf die anderen Regierungen nimmt zu (Europa) ggf. auch auf USA. Finanzmarktplätze (London) werden ihre Regierungen unter Druck setzen, nichts zu tun, andere Länder werden nachziehen, um nicht ein Imageproblem zu bekommen (Bevölkerung). Viele erleben diesen Schritt als Genugtuung gegen die Zocker.

3. Frau Merkel hat Stärke und Mut bewiesen und wird in Deutschland gefeiert – andere Länder werden nachziehen und den Dialog über Regulierung, über die Verantwortung in Europa vorantreiben. Vielleicht kommt man sogar einen Schritt voran und wird der geplanten EU-Wertpapieraufsichtsbehörte ESMA Leben einhauchen.

Spannend – und genau die Change Kurve (Kubler Ross) …. Schock, Wut, Erkennen der Realität, Loslassen, Neue Wege gehen, Erkenntnis neuer Erfolg, Normalität

Herrlich die Zitate im Handelsblatt über die Finanzakteure:

Das ist lächerlich„, kommentierte Pedro de Noronha von Noster Capital am Mittwoch die deutsche Entscheidung. „Es zeigt, wie erschreckend es ist, mit Leuten zu tun zu haben, die die Finanzmärkte nicht kennen und Regeln für Produkte erlassen, die sie nicht verstehen.“

„Das wirkt wie eine Verzweiflungstat vonseiten der deutschen Regierung“ Devisenhändler Easy Forex in Chicago

„Börsenhändler in Tokio „Deutschland hat gerade die  Lichter am europäischen Finanzmarkt ausgeknipst“ Devisenhändler

„Die Art und Weise ist extrem unverantwortlich und hat den Markt in Panik versetzt“ Adrian Förster von der Rabobank

„Vor solch einer Maßnahme sollte man die betroffenen Staaten konsultieren“ Frankreichs Finanzministerin Christine Lagarde und aus dem Èlysée Palast war zum sogar vom deutschen Blitzkrieg die Rede (bekanntlich gegen Frankfreich!).

Der Markt lässt sich nichts befehlen“ Chef der Deutschen Börse Reto Francioni … „Wir als Börse haben uns immer für eine Meldepflicht von Leerverkäufen ausgesprochen.“

Und die Banken in Deutschland:

„Es ist eine sachliche Fehlentscheidung und ein finanzpolitisch inkonsequentes Vorgehen. Zudem haben wir uns von unseren europäischen Partnern abgekoppelt“ so Thomas Lange, Vorstandsmitglied des Bankenverbands.“ Chef der Essener National-Bank

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