Economics

Die grosse Wissensklammer

By 4. März 2009 No Comments

Was tun wir hier eigentlich – wer braucht all dieses Fachwissen? Und wieso passiert (trotz alle diesen vielen Wissens) diese riesige Finanzkrise? Verkümmert Knowledge-Management dahin, dass wir alle Web 2 einbauen und noch mehr Daten ablegen? Haben Sie sich diese Frage auch schon mal gestellt?

Sehr spannend zu dieser Frage hat sich nun Hans Willgerodt (85) geäußert, der Aufstand der pensionierten Professoren der Universität Köln, wie es an anderer Stelle im Handelsblatt hieß. Hans Willgerodt hat sich am 27. Februar 2009 eine ganze Seite in der FAZ reserviert und sich ausgiebig mit der Frage beschäftigt, was denn die Klammer ist, die all das Wissen der Betriebswirtschaft zusammenhält. Mir hat dieser Passus sehr gut gefallen, den ich hier zitieren möchte: „Ohne genaueres Wissen über gesamtwirtschaftliche Zusammenhänge erhält man kein zutreffendes Bild über die Wirkungen spezieller, etwas branchenbezogener Wirtschaftspolitik. Man hat dann Teile in der Hand,“fehlt leider nur das geistige Band“. Die Notwendigkeit der Einordnung von Einzelheiten in größeren Zusammenhängen im Denken und Handeln ist heute kaum irgendwo dringender als in der wissenschaftlichen Wirtschaftspolitik. Das gilt umso mehr, als diese Synthese in der politischen Praxis mit ständig wachsender Beharrlichkeit verweigert wird. Sie kommt auch nicht notwendig schon dadurch zustande, dass man „interdisziplinär“ die Spezialisten … an einem runden Tisch versammelt, um irgendeinen Kompromiss auszuhandeln. …. die notwendige Zusammenarbeit der Spezialisten muss von einerm übergeordneten Systemdenken geleitet werden.“

Wie er ganz richtig fragt, wo soll das herkommen? Nun, die Praktiker die das lesen, verstehen das Problem – denn auch in den Unternehmen ist die Fragmentierung des Wissens weit fortgeschritten und auch hier sitzen zwar viele um einen Tisch – aber es fehlt die gemeinsame Betrachtung der höheren Systemebene und oft fehlt schon die Sprache dazu.

Die dringend notwendige Systemtheorie wird man schwerlich in der Volkswirtschaft finden, auch nicht in der Betriebswirtschaft und wenn diese dann bei der Spieltheorie in der Psychologie auftaucht, durchsetzt mit viel Mathematik, dann ist die Frage, wie kommt sie ins Unternehmen? Bei Google-Aktionen landet man dann entweder bei den Wienern … oder in der linearen Systemtheorie der Regelsysteme von Technik. Halt: Die Soziologen in Bielefeld darf man nicht vergessen, die die Tradition von Luhmann hochhalten, aber das ist auch nicht jedermanns Sache.

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