Allgemein

Ende 2017 – wo stehen wir eigentlich?

By 21. Dezember 2017 No Comments


Wie war 2017? Es war ein gutes Jahr mit vielen Chancen, neues zu gestalten, etwas zu lernen und Dinge auszuprobieren. Dafür danke ich meinen Kunden, den Teilnehmern, meinen Kolleginnen und Freunden in Netzwerken – Lernen findet immer nur zwischen Menschen statt. Ich habe mich vor Weihnachten mit meiner Kollegin und Freundin Nikola Alberts zusammengesetzt, um das vergangene Jahr gemeinsam zu reflektieren. Was ist uns aufgefallen, was hat nicht geklappt, wo ging es nicht weiter, was war richtig gut …?

Unisono kam sofort das Gefühl, wir haben gewisse Kraftakte hinter uns,  Change ist schwer auch wenn es von aussen immer einfach aussieht,  innen ist es einfach „unheimlich“. „You cannot think out of the box“ ist unsere Erkenntnis – so sehr wir uns auch bemühen, es ist ein Erkenntnisschritt für jeden einzelnen Menschen – keine Sache, die man mal eben im Seminar lernt. Dazu muss man bereit sein sich zu öffnen, bereit sein, nach aussen zu sehen. Man muss Mut haben, etwas zu verändern, darüber zu sprechen, infrage stellen und die anderen mitzunehmen. Change alleine geht nicht.

In unserer schnellen  Zeit – nicht nur durch die Digitalisierung –  empfinden wir Dinge als nicht lösbar. Nikola sagte: „Wir hängen in alten Modellen fest, weil wir diese kennen und beherrschen. Da sind wir gut – das sind wir. Das fängt an beim Denken was gut und richtig ist, vom Steuern der Abläufe und leider auch vom Geschäftsmodell. So wie wir es tun, ist es ok.“ Das nennt man auch Kultur. Kultur ist das Tun, wie man es hier macht und das zu ändern geht nur mir Erleben, anfühlen, das es anders besser ist. Als Konzept trocken ist das kaum machbar.

So wie bisher geht es aber nicht mehr weiter – man kann nicht ständig im Spagat leben – auf der einen Seite im alten Denken „Efficiency, Lean, cash-flow, optimization“ leben und alles in Standards  verpacken um noch effizienter zu sein – und auf der anderen Seite sind wir kundenorientiert, finden neue Lösungen, agile und schnell …. das passt alles nicht zusammen. Es tut einfach weh. Psychisch und körperlich. Und doch fordern alle: beides bitte. Vorne zieht der Kunde, hinten treibt der Investor oder Inhaber.

Wir wollen da alle raus, aber wie? Wenn wir nur digitalisieren, und nichts verändern, dann hilft es nichts. Wir können keinen Motor an die Pferdekutsche hängen. Es ist ein Bruch mit dem Alten nötig und wir müssen ins Ungewisse gehen. Wer führt uns dahin? Flüchtlinge? Die haben das gerade gelernt …

Diesen Change könnte man leichter begreifen und angehen, wenn man das Neue kennt, die neue Struktur, die uns erlaubt andere Prozesse zu fahren und damit andere Business-Modelle auszuprobieren. Die Entfernung die man brauchte, um das zu sehen ist nur mit viel Abstand möglich – fast schon über den Wolken. Denn wir müssen nicht nur uns sehen – die Firma – sondern auch das Eco-System, alle Partner und  als Netzwerk für den Kunden. Damit der Kunde unser Territorium nicht verlässt, bieten wir alles an, was er braucht.
Und auch das Systemdenken an sich – im Kundensystem. Produkt, Prozess, Struktur, Kultur, es ist alles wie in einem Mobile – tickt man ein Teilchen an, ist das Ganze in Bewegung. Ach ja – das hatten wir schon alles gelernt 1990 und früher – und wir können es immer noch nicht verstehen. Systeme und nicht Bausteine ! Aber das ist für unsere Hirne einfach zu abstrakt – alle rufen immer nur: Sag mir doch wie!

Wir sind dem Kunden heute so nah und so schnell verknüpft, dass ein „verwalten“ in der Hierarchie fast unmöglich wird. Die Hierarchie stört, es ist nicht mehr möglich, von oben zu steuern, das Business ist flach wie eine Scheibe, an deren Rändern spielt sich das Geschehen ab und werden Käufe und Entscheidungen gefällt. Es gibt nur noch ein lebloses Inneres: Geldfluss, Datenfluss, Algorithmen und Interessen, die die Logik zum Programmieren liefern. Menschen, die sind für die Wertschöpfung da. Dazu muss man sie aber auch versehen! Und deshalb brauchen wir andere „Führungskräfte„. Da heißt es auf einmal nicht mehr: „Machen! bis nächste Woche“ sondern warum, weshalb, wieso, wie und womit … sinn-gebend, verständlich, nachvollziehbar, diskutierbar …. und das dauert länger als ein Satz. Wie bringt man das jemand bei, die selbst nie so etwas erlebt hat, weil die Vorgesetzte nur „Machen“ kannte? Wie soll man 70:20:10 leben, wenn keiner versteht, was das bedeutet. Das kann man nicht in einem Seminar lernen! Das ist nur durch Führung möglich – vorleben – aber wenn die es nicht versteht?Die Funktion an sich wird überflüssig, die Rolle bleibt, es geht um Führung auf Augenhöhe. Es geht darum, Konflikte zu erkennen, zu verstehen und aufzulösen. Welche tolle 7 Wahrheiten bei den #DigitalMediaWomen auf Twitter:
Das bedeutet umdenken. Aber kann man das, wenn man jahrelang auf dem Berg ganz oben gestanden hat? Welche Rolle hat man dann jetzt? Was ist die Erwartungshaltung an die oberste Führung? Richtung geben, Orientierung bringen und Vertrauen, Transparenz und Wertschätzung zeigen. Das hat enorm viel mit Kommunikation zu tun und mit Emotionen. Es geht nicht mehr um Zahlen – dass machen die Maschinen – es geht um Dinge, die man auch nicht immer in Sprache bringen kann – es sind die 97 Prozent des Erlebten, welches nicht durch unser Sprachsystem fliessen kann, weil es dafür keine Worte gibt. Es ist das OH, AHA, EIIII, Hee …. die Ausdrücke von Begeisterung, Freude, Verblüffung – oder eben auch das Gegenteil. Das gilt es zu kreieren, zu leiten und zu kommerzialisieren, sowohl auf Kundenseite (Customer Journey) als auch bei den Mitarbeitern (Employer Journey). Vision – Mission ist out – zu rational. Wir sind in Erlebniswelten angekommen, die nur mit Bildern und Geschichten arbeiten. Oder, hatten wir das nicht auch schon? Was ist die Bibel anderes, als eine Aneinanderreihung von Geschichten mit Bildern? Ah – deshalb funktioniert Instagram so gut. Mehr zu Storytelling mit meiner Kollegin Christine Erlach bei Narrata

Das schöne neue Buch von Janka Krings-Klebe und Partner hat mich im Winterurlaub sehr zum Nachdenken gebracht – kann ein Unternehmen sich selbst so verändern, dass es dem Neuen entspricht?

Können wir „sowohl als auch“ leben? Oder hängen wir in der westlichen Logik fest: „entweder – oder!“ Sind uns hier nicht die Asiaten mit Ihrer anderen Philosophie überlegen? Zumindest gibt es Beispiele – aber verstehen wir überhaupt, was die tun? Wie kann man Technologie benutzen, die man gar nicht versteht – Bitcoins, Blockchain? Kann man das Amazon Modell auch für Industrie anwenden? Wie tickt denn das Industrieunternehmen Haier in China – das man hier überhaupt nicht kennt? Wir bauen die Firma um !- aber keiner weiss wohin und wozu, geschweige den wie? Es wird nur unheimlich viel Geld verbrannt auf allen neuen Plattformen – nur jeder 5. Ansatz gelingt …

Ich habe dieses wie all die anderen Jahre das Handelsblatt gelesen über deutsche Unternehmen, NZZ über Deutschland und Europa, The Guardian zum Brexit und Twitter zu Trump. ARTE berichtet über den Wahnsinn mit der Milch – und über die Unfähigkeit der Spanier, diesen historischen Konflikt zu lösen. Es ist alles nur noch erschlagend. Ich reduziere – keine Printmedien mehr! Online-news muss man zum Glück nicht wegwerfen … nur löschen.

Abends habe ich mich bei Facebook gefreut, wenn meine Freunde aus aller Welt etwas gepostet haben. Immerhin – verbunden, lesbar, interessant, manchmal einfach nett und lustig. Die meisten likes bekommt man heute für persönliche Fotos – echte news!  Danke Euch allen für die Lektüren. Ich bin zum nerd geworden bei Social Media – es ist mein Archiv für Dinge, die ich nicht vergessen will … welcher Wahnsinn, bei der Menge! 🙂 Follow me Alle Themen zu Women und Management habe ich bei Facebook EWMDNetwork oder EWMDGermany gepostet … die online community wächst, wenn man sie füttert.

Das war viel in diesem Jahr und ich brauche Zeit und gute Gespräche, dies zu verarbeiten, aufzubereiten und weiterzugeben. Ich wünsche mir und Ihnen, dir und Euch, die Zeit und Muße, dies anzupacken. Wir haben keine Wahl – es ist unsere Zukunft !

Ich habe im Sommerurlaub auf Kreta das 500 Seiten-Buch des Historiker Harari lesen, das mein Kollege Oliver Pasdzior mir geschenkt hat: Homo Deus – wie sieht die Welt der Algorithmen in Zukunft aus, wenn die falschen Leute sie schreiben? … der Humanismus ist tot – wir haben keinen eigenen Willen. Heftig und aufwühlend, provozierend. Aber nur so geht es wohl – wenn man wachrütteln will.

In diesem Sinne – schalten Sie ab, sei mal offline – und geniesse den Wald, den man sonst vor lauter Bäumen nicht sieht. In diesem Jahr Winterwandern statt Skilaufen – Entschleunigung pur.

Claudia Schmitz