Economics

Goodwill Abschreibungen und IFRS

By 8. Oktober 2008 No Comments

Die Berichterstattung über die Finanzkrise sieht jetzt überall schwarz. Jetzt werden plötzlich auch alle anderen Risiken gesehen, nach dem Motto: Es geht noch schlimmer.Ein solches Szenario ist die Abschreibung auf Goodwill. Für den Laien ganz einfach erklärt:

„Goodwill entsteht immer dann, wenn bei der Übernahme eines Unternehmens der Kaufpreis über dem Buchwert des Nettovermögens liegt, das bei einem Kauf neu bewertet wird.“
Das Unternehmen verspricht in Zukunft gute Gewinne. Man zahlt also mehr, als das Unternehmen in den Büchern wert ist. Das günstige Geld auf dem Markt macht den Einkauf möglich. So gingen in den letzten Jahren viele Unternehmen über den Tisch. Zuletzt Continental und Ciba. Nach HGB Gesetz (bis 2005) konnten Firmen die Geschäfts- oder Firmenwerte aus Zukäufen einfach dem Eigenkapital zuschreiben. Das ist seit IFRS anders. Hier muss jetzt jährlich eine Bewertung stattfinden (Wirtschaftsprüfer) denn der Goodwill wird nun als eigener Bilanzposten aktiviert.

Der Werthaltigkeitstest (Impairmenttest) zeigt dann, ob die Wertschöpfung durch den Kauf erfolgt ist. Falls nicht, muss der Wert (der dann keiner ist) zum aktuellen Wert reduziert werden, d. h. er muss abgeschrieben werden. Abschreibungen sind Wertberichtigungen und finden in der Gewinn&Verlustrechnung statt. Die Abschreibung mindert dann den Gewinn (EBIT=Earnings before Interest and Tax) reduziert sich. Das ist aber die Meßlatte für viele Unternehmen.

Sollte das Unternehmen durch diese Abschreibung einen Verlust ausweisen, muss dieser vom Eigenkapital getragen werden (Unternehmerrisiko). Es gibt allerdings laut Handelsblatt einige Unternehmen, in deren Bilanzen der Goodwill höher ausgewiesen ist, als das Eigenkapital. Bei einem Worst Case Szenario, also vollkommener Entwertung des Goodwills, würde die Firma durch die Abschreibung ihr Eigenkapital verlieren und damit  bankrott gehen.

Goodwill ist eine Art immaterieller Wert. Je höher die Technologisierung und der Einsatz von Patenten und Lizenzen, je schwieriger ist auch die Bewertung. Aber darin liegt nun mal die Zukunft. Was ich mir erkaufe, muss ich nicht herstellen, wo ich die Lizenz nutzte, erspart ich mir Zeit bei Forschung und Entwicklung. Wie bei allem – ist es auch hier das Maß der Dinge und den Blick auf den Markt. Wenn die Kunden es nicht kaufen, gibt es keinen Umsatz, keinen Gewinn und keinen Cash-flow …

Der Beitrag im Handelsblatt ist sehr aufschlussreich – vor allem aber die schöne Online-Tabelle mit den Eigenkapitalwerten im Vergleich zum Goodwill.

Tabelle: Firmencheck Goodwill – Wette auf die Zukunft (bitte im Text dann anklicken)

Artikel: Konzerne spielen mit der Hoffnung
(bei Handelsblatt.com am 08.10.2008 veröffentlicht)

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