Economics

Spieltheorie und Finanzkrise

By 16. Oktober 2008 No Comments

Haben Sie schon mal etwas von Spieltheorie gehört? John Nash? Hört sich nach viel Mathematik an – ist es aber nur bedingt. In erster Linie geht es um Verhalten im System. Der Konflikt entsteht durch mangelnde Kommunikation, da die Gruppe nicht weiss, was der Einzelne denkt. Es gibt kein Feedback der guten Absichten. Handeln in Ungewissheit. Wer macht den ersten Zug? Es geht also um Vertrauen, Wissen und Kommunikation.

Wie interessant der Vergleich der Spieltheorie zur jetzigen Finanz- und damit ausgelöst auch zur anstehenden Wirtschaftskrise. Ein super Kurzbeitrag in der Süddeutschen Zeitung bringt das Beispiel:

Die Bundesregierung stellt Geld als Rettung zur Verfügung. Obwohl erst alle Banken um Hilfe geschrienen haben, greift jetzt keiner zu. Warum? Alle Bänker stehen im Moment auf der Bühne und spielen die Bösen. Wenn nun einer von diesen als erster vortritt und das Bankenpaket nimmt, werden ihn alle sofort als Schuldigen identifizieren, der jetzt mit diesem Schritt zeigt, dass er das Problem nicht alleine lösen kann. Also, werden sich die Spieler im Raum, leider seine Bankkunden, einen neuen stärkeren Partner suchen. Die nicht handeln, zeigen Pokerface, um in der Spielsprache zu bleiben, und sind die Gewinner, die das Vertrauen aufbauen.
Tja – und weil keiner sich bewegt, stockt auch der Geldfluss – alles ist in Starre. Deshalb braucht es jetzt einen symbolische Erlösung aus diesem Dilemma. Meiner Meinung nach wird dies die Wahl in USA sein am 4. November – wenn Obama dann gewinnen sollte, wird dies als Beruhigung und Vertrauen gewertet und wird auch die Weltwirtschaft wieder in normales Fahrwasser bringen.

Wie heißt es so schön: „Der gesunde Menschenverstand spiegelt stets die Vorurteile seiner Zeit.“ Albert Einstein

Wunderbar waren auch die Mythen – die von Politik über Manager bis hin zum Stammtisch erzählt werden. Sie haben sicher die Sprüche alle schon gehört: „Das ist die Gier der Banken! Wir brauchen mehr Bankenaufsicht! Das ist nur Amerika schuld! Na – im Handelsblatt werden diese Mythen schön entmystifiziert – schauen Sie mal rein.

Und ziehen Sie die Lehre: Wir bewegen uns in einem globalen System ohne eine direkte Ursache Wirkungs-Reaktion. Die Welt ist vernetzt. Um Systeme zu verstehen, braucht man etwas Abstand und Information über die Akteure. In unserer schnellen Zeit wollen wir aber nur noch kurze Infos, einfache Lösungen und schnelle Resultate. Deshalb Achtung: Wer schnell entscheiden muss, muss schnell verstehen. Dazu muss man Entscheidungsverhalten der anderen kennen – nicht nur das eigene.

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