ChangeLeadership

VUCA World – für mich als Manager?

By 7. Januar 2017 No Comments

Vielleicht haben Sie sich das auch schon oft gefragt und verstehen nicht, wieso keiner mehr weiß, was richtig ist. Das klassische Modell der Führung: Ich analysiere den Fall, treffe eine Entscheidung, handle danach, setzte den Prozess in Gang, komme zum Ergebnis, ist am Ende – da der Fall sich in der Zwischenzeit schon wieder verändert hat und das Ergebnis nicht mehr passt.

Das Modell von Edward Deming: Plan – Do – Check – Act, oder das Modell: Plan – Build – run wurde von der Realität überholt. Wieso? Die Planung basiert auf festen Konstanten, Annahmen, die einen gewissen Zeitraum überstehen.

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Foto Copyright Claudia Schmitz – Graffiti am Barbarossaplatz – Köln

Unsere heutige Welt lebt im Beschleuniger – die VUCA-Wold. V steht für Volatil also unbeständig, das was mal war ist morgen vielleicht schon anders. U wie Uncertain und unsicher – man kann nach vorne schauen, aber man sieht nichts. Navigieren im Nebel. Das C steht für complexity. Die Dinge sind nicht einfach eine Folge von … sondern alle Faktoren bedingen sich gegenseitig, es gibt keine Linearität mehr und damit keine Planbarkeit. Es sind zu viele Variablen im Spiel. „One size fits all“ funktioniert nicht mehr – es müssen viele kleine Lösungen her. A steht für Ambiguität – Personen haben mehrere Seelen in Ihrer Brust – mal so mal so. Sie wissen nicht, welche Seite morgen zum Einsatz kommt und müssen in Szenarien planen und ausprobieren. Vorhersehbarkeit, Verlässlichkeit, Planbarkeit, also Business-Tugenden – sind Werte, die sich ändern. Heute müssen Sie sich auf neue Arten der Führung einlassen – die viel aufwendiger ist und mehr Zeit und Ressourcen in Anspruch nehmen kann.

Früher gab es für den Kunden ein Produkt. Das hat er gekauft und ggf. wurde es noch mal angepasst. Es gab einen Masterplan, einen Roll-out-Plan, einen Lebenszyklus Plan, einen Investitionsplan und den Anspruch auf ROI.

Heute gibt es nur noch Prototypen, die in den verschiedenen Rahmenbedingungen getestet werden müssen, um dann pro Feld in verschiedenen Variationen ausgerollt zu werden. Das macht Berechenbarkeit und ROI sehr schwierig.

Was heißt das für die Führung? Es gibt keinen Masterplan mehr – jeder neue Test muss neu bewertet werden, jede Veränderung analysiert werden, es bedarf Monitoring und agiles Anpassen. Die Rolle vom Plan-Build-Run Verhalten, das einem Plan folgt, existiert nicht mehr. Es gibt immer noch Pläne, aber die haben iterative Schleifen. Das kann sogar dazu führen, dass ein Prozess mehrere Schleifen nehmen muss, oder vielleicht ganz eingestellt wird. Es ist ein Arbeiten mit mehr Sensorik, mehr beobachten, mehr testen.

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Foto Claudia Schmitz

Welche Auswirkungen hat das auf Management? Sie messen keine Ergebnisse mehr, sondern erkennen Frühindikatoren. Die werden gemessen und daraus leiten jemand dann Entscheidungen ab, schnelle Entscheidungen. Das Team trifft diese, nicht das Management. Es geht hier um Beobachtung, Diskussion, Informationen sammeln und Auswerten, Entscheiden, Messen. Die Führungskraft steuert den Prozess, moderiert, besorgt Ressourcen – aber entscheiden – das tut das Team, das auch handelt.

Das mag jetzt besonders anstrengend klingen, aber in anderen Kontexten beherrschen wird dieses Verhalten ausgesprochen gut. Denken Sie an Angler, die stehen in der Reihe und beobachten die Wasseroberfläche und spüren die Schnur. Es zieht der den Fisch raus, bei dem er an der Angel hängt. Anderes Beispiel: Sie fahren jeden Tag Auto, beobachten den Verkehr und schalten, bremsen weichen aus. Die meiste Zeit haben sie ihren inneren Autopilot an, sie denken nicht nach beim Schalten, Bremsen, im Stop-and-go an der Ampel. Sie hören Musik und singen mit. Manche finden Autofahren sogar entspannend. Also – es ist eher eine Frage der Übung und Einsicht, als ein Mysterium.

Sie müssen nur gut in die Routine kommen, damit ihr Unterbewusstsein mit arbeiten darf. Es hat etwas mit spüren und erkennen zu tun, leichte Anzeichen zu deuten. Wie ein Jäger das Verhalten von Wild an der Spur lesen kann, so müssen Sie versuchen, das Verhalten der Kunden am Verhalten zu erkennen, während er sich verhält! Die Spur legt er&sie oft im Internet. Amazon weiß, wie sie suchen und wann Sie kaufen ….

So müssen Sie in der digitalen Welt den Kunden im Internet auf Ihrer Seite verfolgen, sehen, wo er umdreht, wo er sucht, wo er abbricht. Sie analysieren das und suchen einen Weg, wie der Kunde die Journey vom Suchen zum Finden macht, ggf. schaltet sich ein Berater ein, ein elektronischer Helfer, ein Avatar. Oder es gibt eine Verbindung zum Call-Center und ein echter Mensch hilft Ihnen weiter, all das sind neue Felder – im Dschungel ihrer Webseite. Merken Sie es – Sie warten nicht, bis der Kunde anruft, sondern Sie spüren ihn auf wenn er sucht. Sie wissen was er will, bevor er Sie kontaktiert.

Damit muss man erst mal umgehen lernen. Aber es ist nicht eine Frage der Technik, das wäre zu einfach – es ist eine Frage der Einstellung und Haltung.

Nun noch mal zurück zum Entscheiden. Das hat Sie eben nervös gemacht, oder? Sie entscheiden nicht mehr. Was macht Sie denn dann als Chef noch interessant? Was Sie bieten ist nicht mehr Wissen. Das entsteht ja jeden Tag neu – das sehen auch die anderen. Das was Sie können müssen, ist Verständnis von Gruppendynamik um ihr Team zu moderieren, um Konflikte zu lösen, um an die nächste Berichtsebene zu berichten. Sie sind nicht der aktive Teil im Team sondern der Beobachtende. Sie haben Abstand und sehen sich den Prozess an, sie messen und bewerten und bringen Auffälligkeiten ins Team damit diese darüber nachdenken können. Ich darf Sie enttäuschen, wenn Sie glauben, Sie stellen noch Leute ein. Das macht das System. Die Kandidaten geben online das Profil ein und das Team entscheidet, mit wem man arbeiten will. Also dann Vertragsverhandlungen, Boni und Leistungsbewertung? Nein – das ist schon lange out und völlig unproduktiv. Das Team steuert das selbst. Boni gibt es nicht, nur Auszeiten. Die Leistungsbewertung liegt im Projekt und im Erfolg beim Kunden. Der Kuchen wird geteilt, den man gebacken hat. Um die Identität mit dem Unternehmen zu stärken, gibt es eine Beteiligung am Erfolg, bei Misserfolg gibt es Überstunden. Ach ja – und Sie sehen ihr Team auch nur noch virtuell – jeder hat zwei Bildschirme. Der eine zeigt die Kollegen und an dem anderen wird gearbeitet, manchmal auch gemeinsam in der Cloud. Besser Sie verstehen die Technik und können auch online mal lustig sein. Soziale Kompetenz ist hier gefragt. Ja bei virtueller Kommunikation ist man persönlicher, man erzählt erst mal, was man gerade so macht und wie es einem geht. Warum? Nun – das ist der Beitrag zum Gefühl, ein Team zu sein.

Sie glauben noch, dass wäre nur in IT-Firmen so? Tut mir leid, aber wenn Sie mit dem Kunden online kommunizieren wollen, leben Sie alle in dieser Welt, ob Versicherung, Bank, Modeunternehmen oder Sprachschule.

Wie Sie am besten anfangen? Kaufen Sie ein paar Schuhe bei Zalando oder gehen Sie auf Großwildjagd mit einem Online-Spiel. Dieses dumme Ballern schärft ungemein die Reaktionsagilität, wie früher beim Bund. Bleiben Sie locker … ihr Sohn ist es auch.

Ihre Claudia Schmitz