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Was bedeutet für mich Komplexität?

By 11. Februar 2019 No Comments

„Klar doch, alles ist komplex“ …. stimmt im Sprachgebrauch! Aber was sagt das Wort wirklich aus? Komplex ist nicht gleich kompliziert. In Wikipedia wird das Wort Komplexität wie folgt beschrieben: „Ineinander verschlungen sein“, so die Wortbedeutung. Komplexität „bezeichnet das Verhalten eines Systems oder Modells, dessen viele Komponenten auf verschiedene Weise miteinander interagieren können, nur lokalen Regeln folgen und denen Instruktionen höherer Ebenen unbekannt sind.“ Das gilt für das Verhalten von Ameisen genauso, wie das von Autofahrern. Die einfachste Verkehrsregel in Europa ist „rechts vor links“.

Um komplex zu sein braucht es eigentlich nicht viele Komponenten, drei reichen oft schon aus. Das beste Beispiel für mich ist immer noch das Wetter. Es ist jeden Tag anders, zumindest in unseren Breiten. Einflussgrößen sind: Einstrahlung der Sonne, Jahreszeit, Temperatur der Meere, Winde, Bodentemperatur. Die Voraussagen halten oft nur 2-3 Tage.

Ist es auch so in Projekten? Nun auch hier gibt es einige Akteure und es sind viele Grenzen und Regeln vorgegeben, das Rahmenwerk der Zusammenarbeit.  Aber allein die Verfügbarkeit der Akteure ist ja schon ein Problem. Da es sich bei den Akteuren um Menschen handelt, gibt es für jeden eine Menge an Handlungsoptionen, die durch Interessen, Kultur, Absicht, Power, Wissen, Einfluss unterschiedlich bedingt sein können, aber auch genau gleich sind. Welche Rahmenbedingungen sind wem bekannt, welche sind nur Glaubenssätze? Je genauer ich die Akteure kenne, desto leichter kann man sie einschätzen.

Wenn ich niemanden kenne, keine Hintergründe habe, muss ich dies langsam herausfinden durch kleine Tests. Das kennt man auch von Dinner-Partys und ist das 1×1 der Diplomatie. Schnell ist man in einen Fettnapf getreten, aber lange braucht man, bis Vertrauen wiederhergestellt ist. Bei Komplexität ist es die Ungewissheit, wie Akteure handeln, auch wenn deren Aktionsraum begrenzt ist. Vielleicht kennt ihr noch das alte Mobile mit den vielen Elementen, wenn man nur eins abschneidet, hängt das ganze System schief.

Aber es kann auch sein, dass die Akteure gleichbleiben, sich aber die Rahmenbedingungen geändert haben. Ein neues Gesetz erlaubt, was vorher verboten war. Eine neue Technologie macht Erfindungen bezahlbar, die bisher unbezahlbar waren. So entstehen neue Räume – nur die Menschen sind nicht immer bereit, die Rahmen auch in Ihren Köpfen zu verschieben. Es gibt Menschen, die rechnen heute noch jeden Einkauf in D-Mark um. Wie man es halt gewohnt ist. Und das ist auch das Problem: Was ist gut und brauchbar, auch nach 50 Jahren und was ist überholt und gehört geändert? Heute nennt man es Fuck-up Meeting, früher nannte man es after-action-review. Es ist immer noch der gleiche Reflektionsprozess, der nur möglich ist, wenn ein angstfreier Raum da ist. Ändert sich nur das Wording? Haben Millenials keine Angst mehr, über ihre Fehler zu reden?

Herangehensweise: Beobachtung, Szenarien entwickeln, kleine Tests machen und Informationen sammeln. Hypothesen aufstellen, warum wer wie handeln wird. Aufstellungen der Akteure – Beziehungsmuster darstellen. Methoden: Stakeholder-Analyse, Kraftfeld-Analyse, Aufstellungen

Von Komplexität zu Lernen.

Wenn wir Komplexität verstehen wollen, dann müssen wir beobachten und aus dem System herausgehen, um es als Ganzes zu sehen. Das ist im Alltag nur sehr schwer möglich. Eine Methode ist, für jeden Akteur einen Stellvertreter zu nehmen, und wenn es nur ein Playmobil-Figürchen ist. Die Stellung zueinander, die Entfernungen, ja sogar die Höhe kann Symbol sein für Hierarchie und Disharmonie, oder Isolation und mangelnde Kommunikation.

 

Diese drei kleinen Szenen sollen zeigen, wie die Rahmen sich verändern. Von einem eng gefassten hierarchischen System lösen sich die Ränder und das System wird transparenter. Hat das Auswirkungen auf die Akteure? Kommen neue Akteure ins Feld, die bisher ausgegrenzt waren? Können unsere Akteure das Feld verlassen? Das kann man alles visualisieren, um eine optische Verankerung für ein Gespräch zu haben, was eigentlich passiert ist. Nun kann man drüber reden – verändern und auch spüren, wie es sich anfühlt, wenn der Raum sich öffnet oder schliesst. Bei der einen Person kann das Angst erzeugen oder nur Unsicherheit, bei anderen Freude und Motivation. Das muss man testen und begleiten. Wenn wir in die Organisationsentwicklung zurückdenken, dann ist es viel einfacher Rahmen zu verändern als, wie früher,  Menschen über Visionen und Wissen in zu engen Räumen zu motivieren. Das ist oft schief gelaufen. Was uns dabei heute unterstützt ist mehr IT, Design der Arbeitswerkzeuge (touch screen), Apps und das Selbstlernen über Ausprobieren und youtube videos.

Was hat das alles mit Lernen und Planspielen zu tun? Nun – Planspiele bilden komplexe Systeme ab, damit man daran lernen kann. Wie hängt alles zusammen? Wie beeinflusse ich die Kosten und erhöhe den Gewinn? Dazu später mehr.