AllgemeinCashEconomicsLernenSimulationen und Planspiele

Wenn die Zahlen das Problem sind – Kennzahlen im Unternehmen

By 27. Januar 2019 No Comments

Ich sende Ihnen mal den letzten Geschäftsbericht zu, da steht ja alles drin – sowohl im Glossar als auch unter Strategie„. So der Head of Controlling meines Kunden. Gesagt getan – nach einer Woche kam das Paket – der Geschäftsbericht war sehr dick und hatte 249 Seiten. Das Glossar war sehr spartanisch abgefasst und man konnte die Kennzahlen so wirklich nicht erklären. In den Texten war es nicht besser, die sagten nur noch mal in Worten, was auch schon in der Tabelle stand, aber mehr auch nicht. Wieso – warum? Oh je – so geht es wohl nicht nur mir als Trainerin, sondern auch jedem Aktionär*in und vor allem jedem Mitarbeiter*in.

Geholfen hat mir dann eigentlich ganz andere Seiten, von Wikipedia angefangen bis zu Gevestor und anderen Fondsgesellschaften. Aha – das machte alles mehr Sinn. Nun muss man die Kennzahl noch geschickt in die Simulation einbauen, damit die Logik stimmt. Erst müssen die Teilnehmer*innen die Basics verstehen – und dann zeigt man auf, wo im eigenen Unternehmen die Logik anders ist. Hier kann es sein, dass sowohl HGB als auch IFRS als Bilanzierungsgrundlage gewählt wird, weil sich das Unternehmen auf einen Börsengang vorbereitet – aber noch GmbH ist. Man läuft sich schon mal warm und gibt dem Aktienmarkt zu verstehen, dass man transparent sein will und man sich mit anderen Unternehmen vergleicht, die schon an der Börse notiert werden.

Oft geht es aber auch nur um die Kennzahl EBIT DA – die eine Vergleichbarkeit der Werke und Unternehmenseinheiten ermöglicht, da die Deprecisation (Abschreibung) und Amortization (Abschreibung auf Firmenwerte Goodwill) aus dem Operativen Ergebnis gerechnet werden, bzw. wieder zum EBIT addiert werden, da man diese Kosten nicht ansetzt.

Für mich ist wichtig, dass die Teilnehmer verstehen, welche Kennzahl auch ihr Gehalt beeinflusst und umgekehrt. Welches Verhalten der Teilnehmer hat direkten Einfluss auf das Ergebnis. Hier wird es interessant, denn nur, wenn man auch Einfluss hat, hört man zu. Tief in die Bilanz einzusteigen und von latenten Steuern und diversen Rückstellungen zu sprechen, geht links rein und rechts wieder raus. Ein Blick auf Aktiva und Passiva genügt: Es ist im wahren leben komplizierter, aber ich habe die Grundsätze verstanden und weiss, was ich tun kann.

Man muss es klicken hören …. wenn die Münzen fallen und die Simulation sich dreht …. dann sind alle engagiert. Am Ende mag ich das kleine Quizz – was wäre wenn, und wie wirkt sich das auf den EBIT aus und was hat Einfluss auf Cash? Da sieht man dann, ob es verstanden ist. Und was für mich besonders wichtig ist: Das geht an einem einzigen Tag, denn man lernt nur das, was wichtig ist. Die Teilnehmer haben genug Zeit, sich auch in den Pausen über ihr aktuelles Geschäft auszutauschen – und man bekommt ein Arbeitsheft mit nach Hause. Selbst wenn wir an sechs Tischen mit je vier Teilnehmern arbeiten, sind alle konzentriert und es gibt keine Monologe weder vom Trainer noch von Teilnehmern, es wird gleich mit Zahlen gearbeitet, die auf dem Tisch stehen, im Feld bewegt wurden und Werte repräsentieren. Warum also drei Tage vom Arbeitsplatz weg sein?